Wie finde ich Hilfe?

Wenn Angst Dein Leben beeinträchtigt und sich Dein Denken fast zwanghaft nur noch um Dein körperliches Empfinden dreht, Du Situationen aus Angst vor einem möglichen Panikanfall, vermeidest, solltest Du Dir überlegen Hilfe zu suchen. Die erste Anlaufstelle ist der Hausarzt. Hausärzte werden Dir vermutlich eine Überweisung zu einem Facharzt ausstellen und dieser wird Dir helfen eine geeignete Therapie zu finden. Es bedeutet nicht, dass Du schwach bist, wenn Du Dir Hilfe brauchst. Eine Angststörung ist nicht ein Indiz dafür, dass Du ein schwacher Mensch bist. Das bist Du nicht. Eine Angststörung ist eine legitime psychiatrische Notsituation, die in fachliche Hände gehört.

 

Als ich noch unter der Angststörung litt, war das Internet noch eher eine Grauzone - erst in den letzten Jahren meiner Störung wurde es umfassender. Die ersten Angst-Foren entstanden, erste Internet-Auftritte von Homöopathen, psychologische Berater, Mentoren, Coaches, Geisterheiler, Motivator (die Liste geht endlos weiter), entstanden. Gibst Du heute die Begriffe Angst, Panik, Agoraphobie in einer Suchmaschine oder im Social Web ein, erwartet Dich ein umfassendes Angebot von Autoren, Coaches, Homöopathen, Beratern u.a., die viel versprechen. "Angstfrei in 30 Tagen" oder "Nie mehr Angst" werden versprochen. Was diese Offerten in der Regel alle gemeinsam haben: Sie kosten Geld. Natürlich arbeitet niemand umsonst und eine Dienstleistung sollte entlohnt werden. Aber...! In Deutschland wird so viel kontrolliert. Es gibt Regeln, Regulierungen, Vorschriften, Gesetze. Menschen, die durch (sogar willkürlich gesetzte) Köder andere Menschen abmahnen. In diesem Dschungel kennen sich sogar oftmals nicht einmal renommierte Juristen aus. In der virtuellen Welt tummeln sich dazu Menschen, die sich als Life-Coach, Therapeut, Berater titulieren. Fast scheint es so, als würden es täglich mehr. Ich beobachte das schon eine längere Zeit, erfasse auch die Erfahrungen von Betroffenen, die diese "Wunderheiler" ausprobiert haben - zumeist aus Verzweiflung. Weniger als eine Handvoll berichten von positiven Fortschritten. Viel springen von einem Hoffnungsträger zum nächsten. "Alles klang so überzeugend, so einfach!", las und hörte ich nicht nur einmal.

 

Ein wenig schmunzeln muss ich schon, wenn ich lese was sich manche "Berater" oder "Therapeuten" einfallen lassen, um ihre Klienten zu ködern. Sehr selten lese ich klare Ansagen. oft klingt es banal und euphorisch mitreißend und wenig logisch. 365 E-mails für 1 EUR/Tag. Jeden Tag eine E-Mail, oder ein Abo über Angstbewältigung. (Das wird im Atemzug mit einem Kaffee erwähnt, der so viel kosten würde). Versprochen wird viel, verdient offenbar auch gerne. Darf ich überhaupt als Mensch einem anderen Menschen versprechen, dass ihm garantiert seine Angst wegtherapiere? 


Angststörungen sind sehr tiefgründige psychische Störungen. Sie kam nicht einfach nur so in das Leben eines Betroffenen geflattert. Sie hat ihre Ursachen, Gründe, unverdaute Emotionen, gar Traumata, die nicht verarbeitet worden sind. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass wenn die Ursachen der Angststörung herausgefunden sind, (die Betroffene in vielen Fällen auch schon erahnen) die Angst sofort zurück ins Exil rast. Es liegt ein viel zu komplex, erlerntes fehlgeleitetes Denk-Konstrukt vor, dass immerfort Angst erzeugt. Es ist anzuraten es mit Hilfe von fachkundiger Anleitung zu erkennen und verändern (stoppen) zu können. Oftmals gibt s auch weitere psychologische Diagnosen. Eine Angststörung erfordert eine qualitative tiefer gehende Behandlung. Ich werde nicht gesund, weil ich ein Buch einer oder eines Ex-Betroffenen lese, wie sie es geschafft haben ihre Angststörung zu überwinden. Niemand wird gesund, wenn er sich selbst zum positiven Denken zwingt oder auf die Einnahme von Psychopharmaka setzt. Es ist viel schwieriger, viel komplizierter, viel tiefsitzender. Jeder menschliche Weg ist besonders und mancher Weg erfordert mehr Zeit und Behandlung als ein anderer. Symptome verschwinden auch nicht, wenn wir uns ein paar Pillen einwerfen. Eine Therapie ist maßgeblich entscheidend und wichtig.

 

Auch die Selbstdisziplin (Ich muss mich nur der Angst stellen - Es ist ja nur Angst) sind oft Mühen, mit dem der Betroffene nicht wirklich Erfolg erzielt. Es endet häufig in ein stetiges auf und ab. Ich bin zwar auch überzeugt, dass nicht jeder promovierte Homo Sapiens sich mit manifestierten Angststörungen auskennt. Es liegt mir am Herzen Euch Betroffenen zu schreiben, dass Ihr sehr genau überlegen sollt, wenn Ihr einmal über ein "internettes" Angebot schlittert Euch aus der Angststörung zu helfen. 

 

Diplom-Psychologe Wolfgang Siegel www.wolfgang-siegel.de

 

 

Nähere Informationen auch hier: www.angstselbsthilfe.de

 

Lohnt sich für mich eine weitere Therapie?

Bist Du Therapie-gefrustet? Hast Du schon viel probiert und trittst immer noch auf der Stelle?

Was gibt es für Möglichkeiten?

Lohnt sich ein neuer Anlauf überhaupt noch?

 

Therapie ist ein wesentliches Wort für  Menschen, die sich tief in einer Krise befinden. Therapeutische Hilfe zu bekommen verspricht Hoffnung endlich aus der schweren Zeit hervor zu krabbeln. Gleichzeitig vermittelt es  den meisten auch Unruhe. Wie wird es werden? Was muss ich dafür tun? Es beginnt eine spannende Zeit, denn eine Therapie stellt immer eine Chance dar. Jede Krise bedeutet eine große Chance sich zu verändern. Ist eine Krise eingetreten, war zuvor etwas in Schieflage geraten. Manchmal wurde es nicht bemerkt oder auch ignoriert.

 

Besonders bei Ängsten und Depressionen bewährt sich die Durchführung einer Verhaltenstherapie. Bei der Verhaltenstherapie stehen die aktuelle Situation und die Probleme im Vordergrund. Gemeinsam mit dem Therapeuten besinnt sich der Patient auch auf seine Stärken und lernt sie zu nutzen. Ziel einer Verhaltenstherapie ist es u.a. neue Sichtweise zu entwickeln. Kurzum alles was der Mensch gelernt hat, kann er auch wieder verlernen. Das ist besonders bei Angstpatienten wesentlich, die z.B. eine Busfahrt als den totalen Horror bewerten und erleben. Ihre Ängste sind mit Orten verknüpft und schon ein Wort und die eigene, bildhafte Vorstellung sich dort aufzuhalten, kann Symptome oder sogar eine Panikattacke auslösen. Es geht nicht ausschließlich um die Schreckgespenste der Kindheit, sondern vielmehr um das aktuelle Leben. Rund 80 Prozent der Menschen fühlen sich nach einer Therapie besser. Aber nicht jeder erlebt eine Therapie als Hilfe. Es gibt auch Menschen, die eine Therapie abbrechen oder keine Besserung erfahren. Was passiert dann? Übernimmt z.B. die Krankenkasse eine zweite oder dritte Behandlung? Heißt es für mich dann ich bin ich nicht therapierbar?

 

In manchen Fällen bricht der Patient die Therapie von sich aus ab. Oft werden Gründe genannt wie eine allgemeine Unzufriedenheit mit dem Verlauf der Therapie oder dem Therapeuten. Manche Patienten scheuen die Anfahrt oder haben Schwierigkeiten die Stunden im Alltag zu organisieren. Einzelfälle bewerten keine weitere Notwendigkeit mehr für die Therapie und fühlen sich wieder gefestigt genug. Es gibt auch Betroffene, die trotz Therapie keine Veränderung spüren. Und es gibt auch Fälle, da dirigiert die Abwehrhaltung.  Immer wieder suchen Betroffene dann nach alternativen Wegen und sind auf der Jagd nach neuen Impulsen. Ist die klassische Therapie fehlgeschlagen, hofft der Patient die Lösung seiner Probleme durch alternative Angebote zu finden. Manche Menschen starten in ihrer Verzweiflung eine wahre Odyssee und jagen durch sämtliche Therapiearten, bis sie irgendwann gefrustet zur Aufgabe neigen.

 

Natürlich ist ein Therapieabbruch nicht ideal. Aber manchmal passiert es. Wichtig ist dennoch den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Ob die Zusammenarbeit mit dem Therapeuten klappt, kann anhand von "Probe-Sitzungen" bereits im Vorfeld herausgefunden werden. Hier ist das "Bauchgefühl" ein guter Wegweiser. Wenn während einer Therapie die Behandlung ins Stocken gerät, kann das auch passieren. Manchmal hilft da ein ehrliches und offenes Gespräch zwischen Behandelnden und Patient. Eine Therapie verläuft positiv, wenn der Patient es schafft sich zu öffnen.

 

Manchmal erreicht der Betroffene seine Besserung erst, wenn er mehrere Wege gegangen ist. Viele einzelne Etappen können eine positive Entwicklung formen. Gelegentlich sitzen Blockaden so fest, dass auch ein Therapeut sie nicht gleich lösen kann. Therapie lohnt sich immer. Sie bietet immer eine Chance etwas über sich und auch über andere Menschen zu lernen. Auch wenn der Erfolg nicht gleich greifbar ist, kann er sich dennoch nachhaltig zeigen. Verhaltensänderungen benötigen manchmal Geduld und Zeit. Es ist ein Prozess, der im Inneren des Menschen´s startet.

 

Besonders Menschen, die unter eine generalisierten Angststörung leiden erleben ein festgefahrenes Denken und können sich nur sehr schwer auf Veränderungen einlassen. Diese Veränderungen sind aber wesentlich, um das stetig kreisende Denken um die nächste Angst zu durchbrechen. Der Therapeut versucht hier den gedanklichen Ameisenhaufen der Ängste erst einmal zur Ruhe zu bekommen und langfristig wieder mehr Gewicht auf den erlebten Moment zu lenken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Nur ein weiterer Angst-Aufguss?

Schon seit Wochen

besitzt die Normalität den Charakter von Wackelpudding.

Von allen Seiten gibt es "Regeln", Anweisungen, Sichtweisen, Prognosen .

Und auf was sollen wir hören?

 

Der täglich Griff zur Maske ist bereits Alltag, das Händeschütteln wird langsam zu einer blassen Erinnerung. Einkaufen ohne Mimik, spontane Partys oder ein lustiger Kinoabend werden zum gedanklichen Wunschtraum. Schon seit Wochen regelt der Virus alles ab. 

 

#WirVsVirus Hackathon ein guter Ansatz. Denn was sind wir gerade? Durcheinander, verwirrt und auch ohnmächtig? Eine Panikattacke, die Angst vor der Angst - vor allem steht nun ein riesiges Monument, Corona.  Alles verlagert sich. Es ist nicht die nächste Schwindelattacke, die den Boden unter den  Füßen wegziehen könnte, vielmehr ist es Corona. Auf allen Seiten prasselt das Thema auf uns ein. Verschwörungtheoretiker schießen wie Pilze aus dem Boden - so viele Hobby-Virologen gab es noch nie.  Noch nie sah eine Zukunft so ungreifbar aus, so düster.  Verschiedene Stufen der Lockerungen klingen schlichtweg verlockend. Aber sind sie das?

 

Das alles kann verunsichern, verwirren. Besonders jene Menschen, deren Seelenlage eh in einer Schieflage liegt. Zu den gesundheitlichen Ängsten scharen sich exzistenzielle Ängste oder auch soziale Ängste. Es ist schön, wenn Menschen ihre Sorgen teilen können.  Deswegen ist es gerade wichtig sich gegenseitig zuzuhören und die Sorgen und Nöten des anderen Ernst zu nehmen. Egoismus, den wir allzugern an den Tag legen, ist in dieser komplexen Lage fehlplatziert. Es gibt diejenigen die absolut "cool" reagieren und auch jene, denen die Panik im Gesicht geschrieben steht und natürlich die kompletten Ignoranten. Corona bedroht Existenzen und schlichtweg unsere Nerven. Schnell sind Menschen emotionale überfordert, von der Lage, von Convid-19 und reagieren reizbar und neigen zu Besserwisserei. Doch im Moment wissen wir alle nichts besser. Wir müssen schlichtweg dadurch. Welche Maßnahmen sich als richtig und klug erweisen? Auch das wissen wir nicht mit Sicherheit. Wir sollten uns alle auf unser Menschsein bestimmen.

 

Ich lebe in einer Gegend, wo der Tourismus ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor ist. Während des Lock-Downs fiel mir auf, dass auch in der Natur so vieles plötzlich verändert war. Noch nie zuvor habe ich am Straßenrand so viele Enten hier friedlich  marschieren sehen. Seit einigen Tagen schwirrt der Tourismus wieder heran und die Enten zogen sich zurück. Mit den Touristen kehrt auch viel Angst zurück. Sie steht fest in vielen Gesichtern und schreibt sich in Worten.

 

Wie gehen Menschen mit Convid-19 um, wenn sie sowieso schon den ganzen Tag über ihre Angst nachdenken (müssen)? Wenn plötzlich der Supermarktbesuch mit Maske zum noch größeren Albtraum wird? Schwitzend, keuchend und überlebend an der Kasse zu stehen. 

 

Verändern sich unsere Gesprächsinhalte? Hören wir uns gegenseitig besser zu? Wachsen wir zusammen? Oder bekämpfen wir uns noch mehr? Wir sollten uns auf unser Menschsein besinnen, uns gegenseitig helfen und bestärken. Wir können versuchen ein offenes Ohr für die Nöten des anderen zu haben, anstatt im Fluss der Schnell-Lebigkeit zu ruden. Solidarität klingt gut, beruhigt. Viele Berufsgruppen sind die Verlierer von Convid-19. Und auch die Unbeschwertheit vieler Kinder ...

 

Zusammenrücken, untersützen, solidarisch sein!

 

 

Trost für alle

Angst ist aktuell. Viel zu selten gerät sie so stark in den Vordergrund, wie im Moment. Oft flüstert sie im Stillen, hinter vorgelhaltener Hand oder in schlaflosen Nächten. Angst soll keinen Raum haben. Sie soll möglichst verschwinden. Sie gehört lieber nicht zum Leben, denn sie fühlt sich nicht gut an. Angst ist ein unschönes Gefühl. Angst gehört betäubt. Aber stimmt das?

 

Die Zeiten sind wirr. Aktuell weiß niemand so richtig was noch alles auf uns zukommen wird. Der Mensch besitzt die Fähigkeit sich schnell auf Situationen einstellen zu können. Vermutlich rettet das unseren Geist und motiviert zum Durchalten.  Viele halten sich an die Empfehlungen der Regierung und versuchen mit viel Geduld den täglichen Schwiergekeiten zu begegnen, aber auch mit Empathie.  Die Nachrichten prasseln auf uns alle ein. Das Leben ist plötzlich nicht mehr leicht. Manche Oberflächlichkeit steht nun zittend an der Wand. In vielen Köpfen steckt viel Angst. Wir wanken.  Und Angst hat viele Gesichter. Ob es die Angst vor der Erkrankung ist, die Exzistensangst oder einfach ein nicht zu beschreibenes Gefühl im tiefen Inneren. Sie ist nicht leicht zu bändigen.

 

Der eine wird stumm, der andere wird laut. Der eine denkt nach, der andere kritisiert. Angst verändert das menschliche Verhalten in sehr unterschiedlichen Richtungen. Ob gut oder schlecht`? Wer ist schon im Recht?

 

Vermutlich hilft diese Krise diverse Themen auch offen auf den Tisch zu legen. Berührungen, Umarmungen fehlen uns. Sie finden gerade nur Platz in der engen Familie. Besuche, liebe Worte, Geschenke, Geburtstage, Osterfeiern - alles das entwickelt sich zu einem ganz anderen Geschehen. War es zuvor doch eine Selbstverständlichkeit. Da schimpfte die Hausmutter am Herd über zu viel Arbeit oder der Ehemann polterte über den Großeinkauf. Und nun? Nun werden wir alle stummer. Wir schweigen. Alles ist einfach anders.

 

Angst ist wesentlich. Angst entsteht durch bildhafte Gedanken, die uns allen in der Zukunft passieren könnten, aber nicht müssen. Und wir berauben uns alle der Phantasie des Erlebten, Miterlebten, Gehörten oder auch Wahrscheinlichen.  Wir werden stiller, halten mehr inne. Wir entschleunigen. Vielleicht greift der eine oder der andere wieder mehr zum Buch oder sitzt zur Lieblingsmusik mit den Füßen wippend auf dem Sofa. Es gibt viele Möglichkeiten aufkommende Ängste zu verdrängen. Ein "Überlebenskampf" der Seele. So viele Menschen werden im Moment sehr kreativ. Wie viele Musiker spielen "Wohnzimmer-Konzerte"? - Wie viele Maler benutzen die Kraft der Farben? Wie viele Autoren greifen tief in die Welt der Buchstaben und vermitteln Texte voller Tiefgang und Mut? Angst leitet uns. Sie geleitet uns in komplett andere Ecken und trägt uns zu Blickwinkeln, die wir alle zuvor nicht hatten sehen können. Wir schauen uns anders an. Überall. Viele Menschen sind süchtig nach Erfolg.

Vielleicht werden wir nicht mehr so schnell unzufrieden sein oder über jede Kleinigkeit wettern? Vielleicht überdenken wir auch ein Schlechtreden über einen anderen  Menschen? Vielleicht schauen wir doch wieder freundlicher zu den Nachbarn um uns herum? Diese Krise kann uns tatsächlich alle kräftig durchrütteln. Wir leben schon ziemlich gefangen in einem Strudel von Materialismus und Raubbau an die Natur. Wir haben verlernt uns über Kleinigkeiten zu freuen. Größer, schneller, weiter und höher! Superlative verschwinden im Nebel des Grauens, denn sie verpuffen in ihrer Unbedeutendheit. Unser Atem hielt so urplötzlich an. Und jeder neue Atemzug wird nicht einfacher werden. Das ahnen wir. 

 

Ich wünsche allen ein schönes Osterfest und friedvolle Stunden!

 

 

 

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Nein - ich schreibe jetzt nicht über Corona!

Egal was wir tun. Es geht um den Virus.

Corona beschäftigt uns Tag und Nacht.

Es verfolgt uns in den Medien und im Alltag. 

Insgesamt herrscht eine große Verunsicherung.

 

Experten diskutieren. Zahlen von Erkrankungen und Sterbefällen werden uns knüppelhart um die Ohren gehauen. Im Supermarkt herrscht angehende Einkaufsnot, wenn ganze Regale wie leergefegt vorzufinden sind. Unfassbar sind die Schlachten um Toilettenpapier und Hygieneartikel.  Der Egoismus schwingt sein Zepter.

 

Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf die "News" of each day. Manche ängstlich, andere mit, bennen wir es so, egoistischer Abgebrühtheit. Zwischen nackter Angst auf das was kommen könnte, sowie wirtschaftlichen Sorgen hängen die meisten plötzlich neben ihren durchorganisierten Alltag und werden brutal "entschleunigt". Der Schock ist da. Die viele Zeit birgt Sinn und Nutzen zugleich.

 

Der soziale Rückzug trifft viele hart. Aus diesem Grund ist es wichtig alle Möglichkeiten, die wir haben zu nutzen, um Kontakte zu halten. Einsamkeit schmerzt. Sie ist eine Weile gut auszuhalten, aber irgendwann geht sie tief. Immer wieder habe ich in den letzten zehn Jahren ganz traurige Nachrichten von Betroffenen bekommen, die aufgrund ihrer Angsstörung den kompletten sozialen Rückzug erleben. Tatsächlich kann eine Angststörung so enden, dass der Betroffene nur noch in den vier Wänden sitzt und kaum noch Kontakt hat. Kontakt auch kaum noch aushält. Und Einsamkeit kann sich irgendwann unaushaltbar anfühlen.

 

Hier kann das Internet eine große Stütze sein.. Ein kurzer Austausch: Wie geht es Dir heute? - Oder ein nettes, schönes Bildmotiv kann wahre Wunder bewirken. Ich finde es großartig, dass sich viele auch ganz besondere Gedanken machen. Jener Musiker, der aufgrund der aktuellen Lage kein Konzert mehr geben kann, aber seine Gitarre im eigenen Wohnzimmer spielt und sich dabei den Frust vom Leib singt. Er möchte diese Momente mit den anderen teilen und macht es einfach. Ein Funken Hoffnung geben!

 

Oder der Autor, der sich sein Buch schnappt, einfach einige Zeilen vorliest und es mit seinen Freunden, Bekannten und Fans teilt. Die vielen kleinen Momente können so unendlich "groß" werden. Menschen, die eine Angststörung haben können manchmal unglaublich "feinfühlig" agieren und wachsen in diesen Momenten so unglaublich. Sie beruhigen andere, denen die Panik im Gesicht steht oder finden schlicht und einfach berührende Worte. Genau aus diesem Verhalten sollten auch sie erkennen, wie "stark" sie eigentlich sind. Denn genau jene Menschen kennen "Ausnahmesituationen". Aber oftmals ist es genau für diese "kleinen Helden" schlicht und einfach selbstverständlich. 

 

Panikattacken fühlen sich genauso elendig an. Sie sind nicht zu kontrollieren, aufzuhalten und zu stoppen. Auch wenn sie nicht vergleichbar mit einer Pandemie sind - so katapultieren sie Betroffene ebenso in ein extremes Erleben von Kontrollverlust.

 

Generell ist zu bemerken. Man hilft sich! Und das können wir alle gerade gut gebrauchen. Vernünftiges Verhalten, ein offenes Ohr für die Nöte der anderen streichelt auch durchaus die eigene Seele. Es geht nicht um die randvoll gefüllten Terminkalender, um die nächste Beförderung oder jenen ironischsten Bericht über den Wahn der "Coronia-aner". Es geht um Menschen. Es geht uns alle etwas an!


Es ist gut über Angst zu reden, sowohl laut als auch leise. Denn menschlich sein ist keine Schande.

 

Bleibt gesund!

 

 

 

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Empathie - oder was willst Du mehr?

Empathie - oder was willst Du mehr?

 

 

In der Tat ist es nicht einfach mit einer Angststörung zu leben und vor allem auch mit dieser zusammen mit den anderen Menschen zu leben. Sei es Familie, seien es Freunde oder Bekannte - das Miteinander führt immer wieder zu einer emotionalen Achterbahnfahrt.

 

Dabei ist es wertvoll inmitten einer Lebenskrise Menschen um sich herum zu haben, die empathisch reagieren. Für den Betroffenen ist es eine große Stütze, wenn Angehörige verständnisvoll sind und sich ungefähr vorstellen können, wie es dem Betroffenen ergeht. Für sehr viele ist das "Hinein-Fühlen" durchaus möglich, kennen sie doch selbst in so mancher Situation eigene Ängste. Das kann die Angst vor dem Fliegen sein, vor einer Prüfung oder vielleicht auch vor dem Zahnarztbesuch. Es zeigt sich deutlich, dass eine Kommunikation für beide "Seiten" sehr hilfreich ist. Reden! Reden, über das Leben, über das Erleben oder einfach über den Alltag. Was sich ein Betroffener sehnlichst wünscht, ist nämlich, dass er ganz normal als Mensch behandelt wird und nicht als Freak eingestuft wird. "Auf Augenhöhe miteinander umgehen", wird oft gewünscht. Das ist in der Regel ja auch gar nicht schwierig. Oder?

 

Für Betroffene ist es sehr hilfreich, wenn Familie, Freunde oder Bekannte Unterstützung anbieten. Das kann auf ganz vielen Wegen passieren. "Reden, begleiten oder einfach nur schweigen", wünschen sich ebenso ganz viele Angstpatienten.  Gelegentlich wissen aber eben jene nicht richtig damit umzugehen. Hier passiert es immer wieder, dass Menschen im Umfeld eines Angstpatienten dazu neigen dem "Betroffenen" aus Rücksicht Dinge abnehmen zu wollen. Das kann eine Besorgung im Supermarkt sein, aber auch in anderen Bereichen. Was als Hilfe angedacht ist, schadet allerdings einem Betroffenen. Durch die Vermeidung vergrößert dieser sein Angst-Spektrum und verliert weiter an Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Er wird dadurch noch unselbstständiger werden. Es ist wesentlich hilfreicher wenn der "Vertraute" dem Angstpatienten vermittelt: "Du, ich glaube an Dich! Du schaffst das!".

 

Gerade Ehepartner, oder Partner von weiblichen Betroffenen neigen dazu aus Liebe alles Unangenehme zu übernehmen. Mir sind zahlreiche "Fälle" bekannt, wo Partner/Ehemänner zu wahren Alltagshelden werden. Sie jonglieren Job, Einkaufen und Kindererziehung - aus Liebe zu ihrem betroffenen Partner.  Genau diese Umstände sorgen dafür, dass der Angstpatient es nur noch schwerer schafft aus seiner "Rolle" schlüpfen zu können. Auch in diesem Fall sind Gespräche mit neutralen Personen extrem wichtig, denn es wird häufig ein emotionales Familien-Manifest um die Situation gebaut.

 

Betroffene neigen auch dazu sich jeden Tag ständig über ihr "schlechtes" Befinden zu beklagen. Sie zentrieren das körperliche Missempfinden und zeigen eine ungewöhnliche Vorstellung (aus der Sicht der Nichtbetroffenen) wie "man" sich in einer Situation zu fühlen habe. Das ist für Nichtbetroffene nur schwer zu verstehen und auch schlichtweg nicht zu begreifen, welche Gedanken bei dem Angstpatienten vorherrschen. Kurzum viele benötigen tatsächlich eine Engels-Geduld, wenn der Partner im Stakkato von seinem Schwindel oder anderen körperlichen Missempfidungen redet. "Das kann wirklich nerven", so ein Ehemann über seine Frau, die an einer Angststörung leidet. Für den Nichtbetroffenen bleibt ja das Wissen, dass die Angststörung keine "tatsächliche" Gefahr für den Partner/Freund(-in) bedeutet.  Es ist auch oftmals schwer mit Betroffenen über andere Themen zu sprechen, denn automatisch lenken Angstpatienten das Gespräch immer wieder zurück zu ihrem Thema, der "Angst". Das machen sie natürlich, weil es sie unentwegt beschäftigt und sich vor jedem Thema "zwanghaft" vorschiebt.

 

Der Betroffene weiß, glaube ich selbst nicht so ganz genau, welche Hilfe er erhofft. Es ist ihm schon klar, dass es keine "Wunderheilung" gibt. Wichtig ist auf jeden Fall sich fachliche Hilfe zu suchen. Irgenwann steckt das Denken in einem Kreisverkehr fest und findet eigenständig keine Ausfahrt mehr.   Freunde, Familie oder Bekannte können ihre Unterstützung anbieten, dem Angstpatienten versichern, dass man fest an ihn glaubt.

 

Eine Wunde kann man verbinden, ein gebrochenes Bein operieren. Gegen Husten hilft manchmal schon heiße Milch mit Honig. Es gibt aber auch psychische Krankheiten. Sie können nicht so einfach behandelt werden. (Zitat Patrik Müller)

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