Wie finde ich Hilfe?

Wenn Angst Dein Leben beeinträchtigt und sich Dein Denken fast zwanghaft nur noch um Dein körperliches Empfinden dreht, Du Situationen aus Angst vor einem möglichen Panikanfall, vermeidest, solltest Du Dir überlegen Hilfe zu suchen. Die erste Anlaufstelle ist der Hausarzt. Hausärzte werden Dir vermutlich eine Überweisung zu einem Facharzt ausstellen und dieser wird Dir helfen eine geeignete Therapie zu finden. Es bedeutet nicht, dass Du schwach bist, wenn Du Dir Hilfe brauchst. Eine Angststörung ist nicht ein Indiz dafür, dass Du ein schwacher Mensch bist. Das bist Du nicht. Eine Angststörung ist eine legitime psychiatrische Notsituation, die in fachliche Hände gehört.

 

Als ich noch unter der Angststörung litt, war das Internet noch eher eine Grauzone - erst in den letzten Jahren meiner Störung wurde es umfassender. Die ersten Angst-Foren entstanden, erste Internet-Auftritte von Homöopathen, psychologische Berater, Mentoren, Coaches, Geisterheiler, Motivator (die Liste geht endlos weiter), entstanden. Gibst Du heute die Begriffe Angst, Panik, Agoraphobie in einer Suchmaschine oder im Social Web ein, erwartet Dich ein umfassendes Angebot von Autoren, Coaches, Homöopathen, Beratern u.a., die viel versprechen. "Angstfrei in 30 Tagen" oder "Nie mehr Angst" werden versprochen. Was diese Offerten in der Regel alle gemeinsam haben: Sie kosten Geld. Natürlich arbeitet niemand umsonst und eine Dienstleistung sollte entlohnt werden. Aber...! In Deutschland wird so viel kontrolliert. Es gibt Regeln, Regulierungen, Vorschriften, Gesetze. Menschen, die durch (sogar willkürlich gesetzte) Köder andere Menschen abmahnen. In diesem Dschungel kennen sich sogar oftmals nicht einmal renommierte Juristen aus. In der virtuellen Welt tummeln sich dazu Menschen, die sich als Life-Coach, Therapeut, Berater titulieren. Fast scheint es so, als würden es täglich mehr. Ich beobachte das schon eine längere Zeit, erfasse auch die Erfahrungen von Betroffenen, die diese "Wunderheiler" ausprobiert haben - zumeist aus Verzweiflung. Weniger als eine Handvoll berichten von positiven Fortschritten. Viel springen von einem Hoffnungsträger zum nächsten. "Alles klang so überzeugend, so einfach!", las und hörte ich nicht nur einmal.

 

Ein wenig schmunzeln muss ich schon, wenn ich lese was sich manche "Berater" oder "Therapeuten" einfallen lassen, um ihre Klienten zu ködern. Sehr selten lese ich klare Ansagen. oft klingt es banal und euphorisch mitreißend und wenig logisch. 365 E-mails für 1 EUR/Tag. Jeden Tag eine E-Mail, oder ein Abo über Angstbewältigung. (Das wird im Atemzug mit einem Kaffee erwähnt, der so viel kosten würde). Versprochen wird viel, verdient offenbar auch gerne. Darf ich überhaupt als Mensch einem anderen Menschen versprechen, dass ihm garantiert seine Angst wegtherapiere? 


Angststörungen sind sehr tiefgründige psychische Störungen. Sie kam nicht einfach nur so in das Leben eines Betroffenen geflattert. Sie hat ihre Ursachen, Gründe, unverdaute Emotionen, gar Traumata, die nicht verarbeitet worden sind. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass wenn die Ursachen der Angststörung herausgefunden sind, (die Betroffene in vielen Fällen auch schon erahnen) die Angst sofort zurück ins Exil rast. Es liegt ein viel zu komplex, erlerntes fehlgeleitetes Denk-Konstrukt vor, dass immerfort Angst erzeugt. Es ist anzuraten es mit Hilfe von fachkundiger Anleitung zu erkennen und verändern (stoppen) zu können. Oftmals gibt s auch weitere psychologische Diagnosen. Eine Angststörung erfordert eine qualitative tiefer gehende Behandlung. Ich werde nicht gesund, weil ich ein Buch einer oder eines Ex-Betroffenen lese, wie sie es geschafft haben ihre Angststörung zu überwinden. Niemand wird gesund, wenn er sich selbst zum positiven Denken zwingt oder auf die Einnahme von Psychopharmaka setzt. Es ist viel schwieriger, viel komplizierter, viel tiefsitzender. Jeder menschliche Weg ist besonders und mancher Weg erfordert mehr Zeit und Behandlung als ein anderer. Symptome verschwinden auch nicht, wenn wir uns ein paar Pillen einwerfen. Eine Therapie ist maßgeblich entscheidend und wichtig.

 

Auch die Selbstdisziplin (Ich muss mich nur der Angst stellen - Es ist ja nur Angst) sind oft Mühen, mit dem der Betroffene nicht wirklich Erfolg erzielt. Es endet häufig in ein stetiges auf und ab. Ich bin zwar auch überzeugt, dass nicht jeder promovierte Homo Sapiens sich mit manifestierten Angststörungen auskennt. Es liegt mir am Herzen Euch Betroffenen zu schreiben, dass Ihr sehr genau überlegen sollt, wenn Ihr einmal über ein "internettes" Angebot schlittert Euch aus der Angststörung zu helfen. 

 

Diplom-Psychologe Wolfgang Siegel www.wolfgang-siegel.de

 

 

Nähere Informationen auch hier: www.angstselbsthilfe.de

 

Fliehe, wenn Du kannst ...

Viktimisierung - etwas was uns 2019 überall begegnete. Auf der Straße im Alltag, in der Arbeitswelt

oder auch in den Medien.

Schon in der Kindheit wird es zu einem

für manche Heranwachsende prägenden Thema.

 

Wenn Du plötzlich wie Luft behandelt wirst! Perfide ist es, und für Außenstehende auch nicht gleich erkennbar. Jeder sechste Heranwachsende hat schon Erfahrungen mit Mobbing machen müssen. Umso wichtiger ist es frühzeitig einzuschreiten und zu reagieren.

 

Eigentlich ein ganz normaler Schultag. Nichts schien ungewöhnlich, als "Julia" (Name geändert) das Klassenzimmer betrat. Und doch begann für den Teenager ein Albtraum. Plötzlich redete niemand mehr mit ihr. Die Schulkameraden rückten zusammen, steckten die Köpfe zusammen - sprachen einfach nicht mehr mit ihr.  "Ich bin taktisch geächtet worden", erkennt sie viele Jahre später.

 

Nicht immer ist Mobbing "laut" oder gleich "erkennbar". Oft geschieht es auch subtiler, wie im Falle von Julia durch Nichtbeachtung. Das heranwachsende Mädchen hielt die Demütigungen aus. Was sollte sie auch tun? Sehr schnell schrumpfte ihr Selbstwertgefühl auf ein Minimum, steckte sie doch selbst in der Pubertät. Julia begann die Erklärungen bei sich zu suchen. "Ich bin dick und hässlich! Ich bin langweilig und es ist kein Wunder, dass mich niemand mehr mag!". Dennoch durchlitt sie die qualvollen Schultage. Konzentrieren konnte sie sich gar nicht. Ihre Leistungen wurden schlechter. So gab es einen weiteren Druck. Mit schlechten Noten vor den Eltern zu stehen und keine Erklärungen zu haben, demoralisierten ungemein. Große Hoffnung setzte das Mädchen auf ihre Lehrer, die das schon mitbekamen, aber schwiegen. Sie traute sich auch nicht sich ihren Eltern zu offenbaren. So trug sie es weiter in sich.

 

Kinder wie Julia benötigen Hilfe. Wenn sie keine Unterstützung bekommen, können sie ihr ganzes Leben unter diesem Erlebten leiden. Wie viele Schüler schikaniert werden, ist nicht genau zu beziffern. Die Präsenz des Themas ist stetig steigend. Mobbing beginnt sogar schon in der Grundschule. In der "Praxis" ist es oftmals extrem schwierig Grenzen zwischen "normalem Auseinandersetzungen" und "Mobbing" zu ziehen. "Stell Dich nicht so an", das klang in vielen Schülers Ohr, die sich Pädagogen offenbart hatten. Es dauert oft sehr lange bis es im Schulalltag auffällt, dass eine Schülerin/ein Schüler über eine längere Zeit schon ausgegrenzt oder anhaltend gequält worden ist.  "Mobber sind oft soziale, interessierte Schüler(-innen), die aufgeschlossen und kontaktfreudig sind" ist eine häufig auftretende Erkenntnis von Pädagogen.


Schikanen passieren aber auch jenseits der Schule. Auf dem Nachhauseweg und stetig ansteigend in den sozialen Netzwerken über das Internet. "Mobbing wird deutlich unterschätzt", da sind sich nicht nur viele Experten klar. Gerade das Internet trägt deutlich dazu bei, dass Mobbing auch nach Schulschluss ein begleitendes Thema bleibt. Dann geht es eben dort und über das Smartphone weiter. Irgendwann passiert es, dass sich Mobbingopfer wie Tanja sich aus dem sozialen Leben zurückziehen und überzeugt davon sind, dass sie Fehler machen. Warum wird in den Schulen gemobbt? Schüler mobben Schüler häufig nur aus einem Grund: Es geht darum andere zu demütigen und zu zeigen, dass sie tun können was sie wollen und sie von niemanden aufgehalten werden können. Menschen, die Gewalt ausüben geht es um Machtdemonstrationen, ein Gefühl von Starksein. um eigene Impulse gegenüber "Schwächeren" durchzusetzen. Im Falle von "Tanja" fand Mobbing über die Sprache statt. In diesem Fall in Begleitung von herablassender Gestik, Mimik und Intonation. Die Verweigerung der Kommunikation als bewusster Impuls "Mit dir rede ich nicht mehr", die dem anderen vor Augen führen soll: "Du bist meiner nicht wert". Tanja sollte herabgesetzt, gedemütigt, lächerlich gemacht werden.

 

Mobbingtäter wollen ihr eigenes Selbstwertgefühl auf Kosten des/der anderen aufbauen. "Bitter ist oft, dass Mobber selbst nicht vorzuweisen haben und deshalb diese Herabsetzung des anderen unbedingt benötigen". Daher entsteht eine Verbindung zwischen Täter und Opfer. Mobbing funktioniert nur durch dieses Zusammenspiel. Stabile Persönlichkeiten können leichter einstecken. Aber es hat auch viel mit der Dauer zu tun. Genau hier ist die Intensität und Häufigkeit entscheidend, ob es als Gewalt empfunden wird. Mobbing funktioniert, wenn ein innerlich unsicherer Täter und ein unsicherer Adressat aufeinandertreffen. Geschieht das, ist eine Eskalation vorprogrammiert. Der Täter, der für sein Selbstwertgefühl Aufmerksamkeit, Applaus und Zustimmung benötigt (auch von anderen) holt sich diese auch zur Not mit Gewalt - auf der anderen Seite steht das Opfer, wie in diesem Fall Tanja, die keinen hohen Selbstwert empfindet und schon wunde Punkte entstehen konnten. So geriet das Mädchen in einen Teufelskreis, der fatale Folgen haben kann. Wenn es keinen Mechanismus mehr gibt den psychischen Angriffen abwehrend gegenüberstehen zu können, dann wird das Selbstwergefühl dauerhaft geschädigt. Julia selbst schlitterte in eine Opferrolle, die sie auch annahm. So verschärften sich ihre eigenen Sinneswahrnemungen für die kleinsten Signale aus ihrer Umgebung.

 

Aus einer solchen, scheinbar festgefahrenen Situation wieder herauszukommen ist nicht einfach. Eine erste Möglichkeit war es für Julia sich Hilfe zu suchen und über ihre Erlebnisse mit einer Vertrauensperson zu sprechen. Dafür gibt es zum Beispiel in vielen Schulen Ansprechpartner. In den meisten Schulen gibt es eine gute Prävention. So kann zum Beispiel eine Intervention in der Klasse von Tanja erfolgen. Ein Gespräch mit den "Drahtziehern" und deren Eltern kann ebenso entscheidend sein für eine Veränderung. Wenn "Mobbing" manchmal aufgedeckt besprochen wird, finden sich nicht selten auch viele Fürsprecher für das Opfer. Viele Schüler verhalten sich oftmals aus eigener Unsicherheit bedeckt oder haben Angst selbst ins Abseits geraten zu können.

 

Auch wenn das Thema nicht im direkten Bezug zu Angststörungen steht, kann es als ein möglicher Auslöser einer solchen Störung vorangehen. Es muss auch nicht in der Schule passieren - es kann überall geschehen. Am Arbeitsplatz, in der Freizeit unter Freunden oder in der virtuellen Welt. Menschen bewerten  "Greta Thunbergs" Klimakampf, beschimpfen Promis im Netz. Sie "bashen" Kinderchöre, wettern über Politiker und politischen Geschehen.

 

Ich wünsche allen FB-Followern einen friedvollen Start in das neue Jahr 2020! Lasst uns Buchstaben nicht zu Waffen schmieden!

 

 

 

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Angst ist ein schlechter Ratgeber

Wenn ich lausche

- so tief in mir -

mich spüre

und ein Loslassen ersehne,

  dann ersehne ich meine Freiheit.

Die Freiheit eines frei gestalteten Lebens.

Auf dieser Suche befinde ich mich ...

 

In den dicksten Panikmomenten bleibt das Denken verzerrt. Es hagelt Körner allerschlimmster Gedanken. "Gleich wirst Du sterben. Es ist nicht länger auszuhalten!" Nichts ist  urplötzlich nicht mehr einfach.

 

Eine Panikattacke ist heftig. Sie dirigiert alles. Sie lenkt Dich. Du wirst zum pustenden "Survivor" und versuchst irgendwie diesen Moment zu überleben. Dieser Moment, der wie eine Ewigkeit klebt. Mit Hoffnung und gleichzeitiger Erkenntnis - es gibt keine Alternative. Die meisten Panikattacken sind binnen weniger Minuten abgeklungen. Sehr häufig dauern sie auch nicht länger als wenige Minuten. Was bleibt, ist die Angst vor der Angst. Auch diese ist ein qualvolles Erlebnis. Sie wird zum speziellen Dauergast. Sie lächelt Dir morgens ins Gesicht und lässt Dich in der Nacht hin- und herwälzen. Sie verjagt Deine Freunde, sie vergrault Deine Familie. Die Angst ändert und verändert alles. Und das, so wird es Dir von allen Seiten bescheinigt, soll relativ harmlos sein.

 

Sie füllt Deinen Kopf mit tausend Gedanken. Sie jagen unentwegt wie zähe Wolken durch Dein Leben. Die "einfachen" Sachen wiegen plötzlich Tonnnen. Der Gang in den Supermarkt wird eine Tortur. Es ist nicht mehr spaßig zur Party zu gehen oder durch den Wald zu laufen. Auch der Fitness-Center wird zur Bedrohung. Kein Tag ist mehr schön. Die Tränen rauben das Lachen und Dich zum hyperaktiven Sesselsitzer.

 

"Es könnte..., vielleicht," - die Worte ziehen fest in Deinen Wortschatz ein. Verzweifelt versuchst Du Menschen, die Dein Herz berühren Deine Lage zu erklären. "Vielleicht verstehen sie dann Deine Veränderung irgendwie besser und warum Du nicht mehr gerne das "Happy Face" bist. Du stehst nun auf neue Themen. "Wie hoch ist der Blutdruck? Schlägt das Herz noch? Funktioniert mein Sehen?", - Fast jedes Gespräch drehst du gekonnt auf Dein Befinden und Deine Gesundheit. Es rückt ins zentrale Blickfeld. Du würdest es gerne verjagen, aber es schiebt sich immer wieder davor. Du kannst gar nicht  mehr anders. Du schnappst ständig nach Luft und bist voller Fragen. Der PC wird Dein bester Freund. Du bist auf dem besten Wege der weltbeste "Google-Mediziner" zu werden. Du musst einfach nach den Symptomen googeln, die Dich nicht loslassen wollen. Auch Deinem netten Hausarzt, der die Augenbrauen hochzieht : "Sie sind körperlich fit wie ein Turnschuh", kannst Du nicht mehr länger vertrauen. So wanderst Du auf eigene Pfade der Medizin und wirfst nicht selten mit eindrucksvollen "Medizini-Latein" um Dich. Denn es wird garantiert etwas übersehen.

 

Aber beeindrucken willst Du gar nicht - Du willst nur eine Antwort erhalten. Auf das, was in Dir und mit Dir los ist. Auf das, was in Dir nicht mehr rund läuft. Du willst doch nur Dein "altes Leben" zurück. Mehr nicht. Du verlangst diese Erklärung.

 

Es tut gut einfach mit einem Menschen zu reden, der weiß, was in Dir los ist. Es ist auch befreiend sich einfach einmal die Torturen von der Seele reden zu können. Es ist hilfreich zu erfahren, dass auch andere Menschen das Schreckensgespenst der Angst kennen.  Es zählt nicht in diesen Strudel der Selbstaufgabe zu geraten. Auch in jeder auswegslosen "Angst-Situation" gibt es  Licht am Endes des Tunnels.

 

Und Deine Wege können sehr unterschiedlich verlaufen. Du musst nicht zum Superhelden werden. Es ist oftmals ein wesentlicher Schritt sich Hilfe zu suchen. Es kann ein längerer und durchaus mühevoller Weg werden, um die Freiheit wieder zurück zu bekommen. Aber jede einzelne Anstrengunge und jeder einzelne Rückschritt wird Dich auch stärken. Dein Mut Dich in eine Therapie zu begeben ist goldrichtig. Auch wenn es vielleicht nicht gleich beim ersten Mal zum gewünschten Erfolg führen wird. Atme durch und nimm wieder einen weiteren Anlauf. Es gbit nicht viel zu verlieren - außer das Gesicht der Angst. Und das kann ich Dir versprechen - Aufstehen lohnt sich! Denn Du bist nicht alleine! Auf Dauer ist Angst schlichtweg ein schlechter Ratgeber.

 

 

 

 

 

 

 

 

Aufgewacht - aus einem endlosen Traum

Morgen geht es mir wieder gut.

Morgen werde ich einen schönen Tag erleben.

Ohne Angst - gefüllt mit Freiheit und Lebenslust.

Aber erst morgen, nicht heute,

 

Schwere Zeiten sind kaum auszuhalten. Sie rollen wie eine Dampfwalze an, die alles gnadenlos niederschottet. Emotionen., Lebenslust, Alltag, Freundschaften, - die Liste zeigt sich endlos. Mit einem Paukenschlag hatte es irgendwann angefangen. Es war nur nicht zuordenbar gewesen. Wie auch?

 

Beschrieben wird diese, primäre Panikattacke, wie ein Entree zum Minuten-Tod. Auch wenn sie nur einen flüchtigen Moment des Lebens angedauert hat, beheftet sie doch viel mehr. Sie überdeckt wie Wolken die Sonne, lässt immer mehr und mehr Dunkelheit entstehen. Das Licht wird weniger und nichts ist einfach mehr so wie es war. Was nun folgt beschreibt sich als ein großes Frage- und Antwort-Spiel. Noch nie zuvor stand das Wort "Warum" so hartnäckig fordernd im Raum.  Niemals zuvor gab es im Alltag nur noch dieses eine Thema. "Angst". Es vergeht kein Tag mehr, an dem es Dich nicht beschäftigt. Ob morgens, mittags, abends oder des nachts. So treu war Dir noch niemand - nicht einmal die beste Schulfreundin.Urplötzlich entsteht diese Sucht.  Die Sucht möglichst schnell Erklärungen und Antworten zu finden - für den veränderten, nur schwer aushaltbaren Zustand. Eine wahre Informationsflut liefert viele Theorien. Sie klingen plausibel, einfach und doch erscheinen sie doch allesamt wie der höchste Gipfel des Himalaya Gebirges. Theoretisch ungeübt unerreichbar. Der Weg ist deutlich - doch diesen zu gehen, jene Veränderungen herbeiführen zu können, scheitert schon beim ersten theoretischen "Probe-Denken". Oder gibt es nicht doch einen wesentlich einfacheren Weg? Um uns herum bieten sich viele Lösungsvorschläge an. Der Hausarzt, der Facharzt, der Therapeut, der Coach, die Familie, der Freundes- und Bekanntenkreis - jeder weiß Rat. Vieles klingt so herrlich einfach. 

 

Angst ist keine Gefahr. Angst lässt nur ein Konvolut harmloser Symptome enstehen. Die Enge im Hals, der ständige Drehschwindel, das Augenflimmern und der schnelle Herzschlag sind alle ungefährlich.  Warum sind sie da? Weil etwas im Leben schief lief? Weil ein Geschehen Deinen Atem geraubt hatte? Weil Dich ein "Shit-Storm" niedergetrampelt hatte? Weil Du so unverhofft in einen Strudel aus sorgenvolle Gedanken geraten bist und nur noch "mitdrehen" konntest und kannst?  Weil einfach alles im Alltag zu viel geworden war/ist? Ja, schwer zu begreifen, dass diese Befürchtungen/Empfindungen und Sorgen keine Gefahr bedeuten können? Hilft es sich sich selbst gut zuzureden? Hilft es die Hand gehalten zu bekommen?  "Keine Angst vor der Angst", flüstert es Dir weich entgegen. Alles ist doch so herrlich logisch und einfach. 

 

Ein kurzes Aufatmen. "Verdammt, es ist doch nur Angst, Ich muss alles nur aushalten, akzeptieren und dann  loslassen!", Das alles klingt doch wirklich nicht wie Utopia und so gar nicht schwierig. Es gibt unzählige Rezepte, Vorgehensweisen und Techniken. In Büchern, in YouTube-Videos,  virtuell oder auch im realen Behandlungswesen. Mit beneidenswerten Ehrgeiz und Pflichtbewusstsein sind viele Betroffene immer wieder neu motiviert, wenn sie eins der neuen Rezepte ausprobieren und testen. Und immer wieder stößt Du auf Erfolgsgeschichten, die Dich ins Zwiespalt versetzen. Was können die, was Du nicht kannst? 

 

Viele wandern von einer Gruppe im Sozialen Netzwerk zur nächsten und sind immer wieder voller Ehrgeiz.  Ein bewundernswertes Verhalten - trotz einer wirklich, diffizilen Ausgangslage eine solche Ausdauer zu entwickeln. Hoffnung ist zum Glück etwas, was sehr wichtig ist. Ich wage zu behaupten, dass Dein bester Therapeut Du selbst bist. Ja, das bist Du wirklich, Das kannst Du gerne glauben. Denn eine Angststörung hat einfach vieles im Leben durcheinandergewirbelt und einfach alles um Dich herum enger und enger macht. . Sie hat Dein Selbstvertrauen/Dein Selbstbewusstsein leiden lassen. Deine ganze Lebenseinstellung verändert und vor allem das Vertrauen in Dir selbst geraubt. Es geht nicht darum zum großen Held zu werden und von heute auf morgen wieder die allergrößte Panik auszuhalten. Es geht auch nicht darum am nächsten Tag aufzuwachen und wieder alles wie "früher" zu erleben. Es geht auch nicht darum, dass alles mit Dir verkehrt gelaufen ist. Nein, darum geht es überhaupt nicht.

 

Vielmehr geht es darum, dass Du viel zu viel nachdenkst.  Du machst Dir unendlich viele Sorgen, beschäftigst Dich mit Deinem Körper, erahnst jede Regung und wirst zur schärfsten Alarm-Anlage Deiner selbst.  Du kannst auch gar nicht mehr anders. Wichtig ist Dir auch der Zuspruch, das Verständnis von den Menschen, die Dein Herz berühreren. Diese Menschen können ja nur ahnen, wie es in Dir aussieht. Wissen können sie es ja nicht. Sie kennen dieses Empfinden nicht.

 

Plötzlich ebbt in Dir auch eine völlig irrealistische Vorstellung vom Menschsein heran. "Perfekt" und "Schön" muss jeder Tag gelebt werden. Mit viel Leichtigkeit und bitte ohne einen Funken Angst. So, wie es "normale" Menschen erleben und nach Deinem Empfinden beschreiben. Deine Gedanken galoppieren stets unendliche Minuten voraus, ohne dass der flüchtige Moment von Dir als solcher richtig wahrgenommen und gelebt wird. Im Eil-Tempo atmest Du und lebst Du. Das ist nicht nur anstrengend, es ist auch nahezu ein unerreichbares Ziel, was Dir nach Deiner ersten Panikattacke hinteralssen worden war. 

 

Schalte einige Gänge herunter! Das Streben nach Perfektion ist unwesentlich - Du bist perfekt, wie Du bist. Ein Mensch mit Schatten- und Sonnenseiten. Sich von der "Angst" abzulenken ist nicht ideal beschrieben und kann schnell missinterpretiert werden. Wenn Du Dich in Deine Panik hineinsteigerst (die kommt nicht von alleine)  dann versuche Dich wieder als Regisseur Deines Lebens in die Realität zu switchen, Kneife Dich ruhige in den Arm und spüre denleichten Schmerz! Das aktuelle Geschehen/Empfinden/Erleben um Dich herum zählt und weniger der Film, der in Deinem Kopf "abläuft" und nicht passiert. Gestehe Dir auch Deine Schwächen ein und erlaube Dir auch nicht in allen Bereichen "der weltbeste" Mensch zu sein. Auch nicht jeder Mensch wird Dich voller Respekt und mit Freundlichkeit behandeln. Nicht jeder wird Dich mögen. Aber das alles ist nicht schlimm. So geht es uns allen.  Schraube Deine Sichtweise - an und rund um das Leben wieder einige Etagen tiefer und raste sie im "Norm-Bereich" fest.  Wir alle sind nur Menschen - nicht mehr und nicht weniger. Wenn Du bereit bist zu sterben, wirst Du mit dem Leben beginnen.

 

 

 

 

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Ein bunter Schluck

So Kapitel 13, Römisch III, Vers 5 wurde erstmalig vor genau 20 Jahren veröffentlicht (1978). Dörner schrieb damals in seiner Einleitung zum Kapitel »Psychiatrische Pharmakotherapie«:

" Geschichtlich hat jede therapeutische Technik eine begrenzte Lebenszeit. Auch die Neuropharmaka sind nach der Begeisterungs- jetzt in der Ernüchterungsphase. Anzeichen dafür: 1. Es gibt zunehmend Patienten, die lieber an ihren Symptomen als an ihren Pharmaka leiden. Wir können jetzt auch besser ihre Nachteile wahrnehmen. 3. Alarmierend die epidemische Verschreibungswut."
Klein sieht sie aus. Sie strahlt unaufdringlich in ihrer Hand im hellen Blau. Klare Gedanken zu erfassen fällt ihr schon eine Weile schwer. Zittrig und von Ängsten gepeinigt hatte sie sich zum Arzt geschleppt. Gefühlt hat sie irgendwann nichts mehr, geschlafen auch nicht. Da war nur diese Leere, durchzogen von zehrender Angst. Ihre Stimme hatte einen fremden Klang, als sie ihr Beschwerdebild vorgetragen hatte. Kopfnicken ihres Gegenübers, jener empathische Blick, der einem Händedruck glich. "Ich kann helfen", so die ersehnten Worte. Nicht viele Minuten hatte der Spuk gedauert. Wenig später schon lag eine Schachtel in ihrer Hand. Zahlreiche himmelblaue Wunder die ihr den Kopf streicheln werden und ihr wohl möglich wieder ein Lachen schenken werden. Himmelblaue Gefühle, die der Angst ihren Finger auf den Mund legen. In ihr ebben kurze Flammen von Freude auf. So himmelblau und wesentlich. Auf alle Fragen endlich die erlösende Antwort und mit so einer simplen Gangart.  Die Familie spendet Applaus. "Auf, auf - zu besseren Zeiten!" 
Um 1998 gegen Ende "der Dekade der Hirnforschung" war in Europa und besonders in den USA von Ernüchterung im Bezug einer wahren Verschreibungswut wenig zu hören. Antidepressiva, Neuroleptika, Lithium u.v.m. gelten unangefochten als primäre Wahl einer Therapie. Sie seien die Voraussetzung zur Durchführung einer Therapie. Es gab verzweifelte Klagen von Patient/innen über das Verständnis von Medizin und wurden lediglich als "Schwierigkeit mit den Nebenwirkungen" bagatellisiert. Noch schlimmer der negierende Patient wird als "krankheitsuneinsichtig" disqualifiziert. Sozial-psychiatrische Arbeit und Psychopharmaka gehören zumeist untrennbar zusammen. Die als Therapie deklarierte, notfalls auch unter "Zwang" durchgeführte chemische Veränderung der Persönlichkeit hat auch in den Köpfen der "Behandelnden" Veränderungen stattfinden lassen. So verabreichen ganz normale Krankenpfleger/innen, Therapeuten/-innen, usw. im Alltag in Krankenhäuser, Altenheimen usw.  Psychopharmaka. Ohne diese Helfer wäre eine flächendeckende Versorgung über Psychopharmaka nicht möglich. Diese Art der medizinischen Versorgung schleift sich ein. Sie präsentiert sich als ein Gesetz der Notwendigkeit in einem extrem von Stress überlagerten Alltag, der gerade in Zeiten von zunehmender sozialer Verarmung zahlreiche existentielle Engpässe und Ängste mit einer chemischen Hirnveränderungs-Therapie Antwort gibt.
Um die Durchsetzung von Pharmakabehandlungen auch gegen den Willen von Betroffenen durchzusetzen, werden nicht selten erpresserische Methoden oder Drohungen ausgesprochen. Mittels Sprachbild eines Kleinkindes wird dem Patienten erklärt: "Sie müssen doch ihre Pillen nehmen, vermutlich ein Leben lang. Das wissen Sie doch! Sollten Sie sich verweigern, dann werden schlimme Dinge geschehen. Sie werden nicht mehr allein in ihrer Wohnung/Haus leben können. Sie erinnern sich doch noch, wie es damals war?"  Oder es erklingen Sätze wie "Gut Frau M., wenn Sie es so wollen, dann setzen wir das Medikament natürlich sofort ab."
Die wichtige Erklärung, dass ein sofortiges Absetzen von Psychopharmaka unter Umständen zu furchtbaren Entzugs- oder Absetzung-Problemen führen kann, fehlt u.U.  Frau M. leidet so urplötzlich unter Magenkrämpfe, zittert, kann nicht schlafen oder kollabiert. "Sie sehen nun doch Frau M. Alles ist nicht so einfach. Sie benötigen die Pillen. Was meinen Sie nun? Sollen wir es nicht doch wieder weiter versuchen?" Aber auch anfängliche oder andauernde Nebenwirkungen geraten ins Hintertreffen. "Nebenwirkungen sind leider nicht zu vermeiden. Die gehören zu der medikamentösen Therapie und müssen in Kauf genommen werden. Es gibt auch leider nichts Besseres bei einem chronischen Fall wie Sie es sind." 
Es geht auch um den Auslöser, die bzw. den Ursache-(n), die nach einem Absetzen wieder zutage kämen. Schließlich hatte es für den Patienten bei seiner primären Vorstellung bei seinem Hausarzt/Facharzt schon keine andere Lösung gegeben als die Verordnung von Psychopharmaka. Was geschieht also nun mit einem Patienten, der die empfohlene Behandlung verweigert? Viele Profis reagieren mit beleidigter Ablehnung, fühlen sich gekränkt und als Arzt und Patient sitzt man sich fortan vielleicht feindlich gegenüber. "Ohne Medikamente werden Sie es garantiert nicht schaffen und das kann nicht befürwortet werden", wird oft als Erklärung geliefert. Für einen von Krisen gebeutelten Patienten oft schwierig in dieses Schlachtfeld zu ziehen. Viele geben ihre Einwilligung. 
Natürlich ist es so, dass viele Profis in ihrem Bereich wirklich helfen wollen und zwar möglichst schnell und gut. Das sollte auch alles im Rahmen ihrer Arbeitszeit geschehen. Vermutlich wird es nie wieder eine Welt ohne Psychopharmaka geben. Gegen eine Flut an Medikamente, die als erste Wahl bei einer psychischen Krise/Erkrankung gelten, werden wir nicht mehr ankommen. Mit dem Einsatz von Psychopharmaka, insbesondere auch den Einsatz (in der Geriatrie) von Neuroleptika hat ich scheinbar eine enorme Souveränität in das medizinische "Geschehen" breitgemacht. Therapien frei von Psychopharmaka scheitern nicht selten an Vorgesetze, an Ärzte, an Kollegen/-innen oder auch an den Angehörigen der Patienten/-innen, aber vor allem auch an den eng getakteten Zeitstrukturen des Berufsalltags mit seinem wirtschaftlichen Wegweisern. Sie scheitern an eigenen, inneren Grenzen gegenüber der Begleitung akuter Krisen, an existenziellen Fragen und individuellen Katastrophen. Hier dreht sich ein professionelles Hamster-Rad. Die Zunahme von psychischen Störungen/Erkrankungen wächst auf allen Seiten. Gottlob entstehen immer wieder noch andere, alternative Wege. Zugegeben, sie sind oft mit mehr Geduld und Mühe verbunden und führen dennoch langfristig zu einer manifesten Stabilität des Patienten. Viele Patienten probieren sich durch den Dschungel verschiedener Psychopharmaka - "Wir müssen nur die eine Pille finden, die Ihren Zustand stabilisiert", so die gelieferte Anweisung und vermutlich auch die allergrößte Hoffnung jedes Patienten, der nach einer möglichst unkomplizierten Lösung auf seine Probleme hofft. Gelegentlich ermöglichen Medikamente aus zeitnah aus einer psychischen Krise zu gelangen, aber in der Regel wird so keine Stabilität erreicht, die von Dauer ist. 
Generell möchte ich die Einnahme/Gabe von Psychopharmaka nicht ausnahmslos negieren. Ich möchte sie nur mit Kritik beheften und jedem mit auf den Weg geben sich immer alles sehr gut für sich alleine zu überlegen. Mein damaliger Entschluss mich gegen die Einnahme von Psychopharmaka auszusprechen, hatte schon dazu geführt, dass ich einige Wortgefechte mit "Behandelnden" aushalten musste. Dank meiner verbalen und auch mentalen Stärke (trotz der Krise) konnte ich so manchen, durchaus manipulativen Zusprüchen standhalten. Alle oben beschriebenen Punkte habe ich live erlebt. Offene Anfeindungen, Drohungen usw. sind keine Phantasie. In mir war ich überzeugt, dass es nicht mein Weg war. Vielleicht ist Deiner ein anderer? Es geht nicht darum etwas zu verteufeln, sondern vielmehr geht es darum Lebensqualität und Stabilität zu gewinnen. 
Jeder Stoß sich innen zu verändern ist nicht einfach und erfordert ein hohes Maß an Ehrlichkeit zu sich selbst. Wer sich im Spiegel betrachten kann und seine eigene Seele berührt , hat schon viel eigene Nähe gefunden.  Diese Ehrlichkeit liefert nicht eine bunte Farbenpracht - sie ist auch in manchen Bereichen unschön anzusehen.  Aber ich motiviere gerne mit einem : Trau Dich! 

 

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Great - nach Ursachenfindung?

Immer wieder ein Thema.

Irgendetwas löste die Angststörung aus.

Irgendetwas hat dafür gesorgt,

dass alles in eine Schieflage geraten ist?

Auf der Suche nach dieser einen Erklärung... 

 

 

Es gibt nicht diesen typischen Menschen, der für eine Angststörung prädestiniert zu sein scheint. Es sind doch sehr unterschiedliche Persönlichkeiten.. Es können auf der einen Seite sehr unsichere Menschen sein, aber es sind auch die, die nach außen hin besonders "stark" und "erfolgreich" erscheinen.. Diese  Menschen brechen irgendwann zusammen. Es gelingt ihnen aber oftmals auf der "Bühne des gesellschaftlichen" Lebens für eine sehr lange Zeit ihre Fassung zu bewahren.  Oft weinen sie erst im stillen Kämmerlein. Egal welcher Typ Du bist - beeinträchtigt ist jeder, der an einer Angst und Panikstörung leidet. 

 

Die allgemeine Vorstellung wie psychische Krisen/Störungen zu behandeln sind, lauten sehr häufig: Zunächst gilt es die Ursache oder den Auslöser zu finden. Genau diese Emotion gilt es einzufangen und dann zieht das übrige Verhalten garantiert nach. Forschungen ergaben aber dass es sinnvoller ist am Verhalten anzusetzen. Wesentlich hilfreicher ist es für Betroffene wieder neue Erfahrungen zu sammeln, die sich konträr gegen die Vorstellung (befürchtete Notsituation usw.) richtet.  "Wenn ich Ort A aufsuche, werde ich sterben"! Ein Satz, den viele Menschen äußern, die Angst vor der Angst haben. Sie sind fast überzeugt, dass es auch genauso eintritt, wie es das Denken vorgaukelt. Um diese Konfrontation zu umschiffen, erleben sie ein Konvolut von körperlichen, dramatischen Symptomen. Suchen sie dennoch diese Situationen auf, müssten sie direkt angewiesen werden, sobald die Panikattacke akut wird,  den befürchteten Zustand einzuleiten. 


"Hilfe ich sterbe gleich". Diesen Satz haben schon sehr viele Betroffene während eines Panikanfalls geäußert. Felsenfest davon überzeugt rennen sie auf direkten Weg zum Arzt oder zur Ambulanz. Relativ schnell steht fest, dass es es sich um einen Panikanfall gehandelt hat. Viele beruhigen sich auch wieder sehr schnell. Bis zum nächsten Mal. Genau hier entsteht der Frust. Sehr viele mühen sich ab, ersuchen die Konfrontation und stellen sich ihren angstauslösenden Situationen. Unermüdlich - immer wieder. Sie wundern sich, warum es nicht besser wird. Ja, aber warum ist das so?

 

Viele "kämpfen" sich in ihre angstauslösende Situation und erleben, wie sie nach dem Verlassen der zwar bewältigten Situation Erleichterung verspüren, dass sie es ja doch geschafft haben.  Nun muss dann ja alles besser werden. Das wird es aber  nicht automatisch.  Bei diesen Übungen trainiert der Betroffene lediglich seine Angst und exponiert sich nicht. Um es zu verdeutlichen. Diese aufgesuchten Situationen reichen nicht aus, um grundlegend neue Erfahrungen zu sammeln. Viele überstehen das, in dem sie weiterhin auf kleine Hilfsmittel setzten wie u.a. Begleitung von Partner oder Freunde, ein Handy (für den Notfall), Adressen von nahe liegenden Arztpraxen/Krankenhäuser, eine Tavor-Tablette und und und. Diese "Hilfsmittel" helfen nicht neue Erfahrungen zu sammeln. Manche messen unentwegt ihren Blutdruck. oder zählen die Km- Zahl, von der sie von zu Hause entfernt sein.  Alles das verhindert eine Veränderung, ein Loslassen des Kontrollwahns. 

 

So steht die Frage nach der Ursache auch sehr häufig im Raum, weil sie eine weitere Möglichkeit bietet weiteres Handeln zu vermeiden. Natürlich ist die Frage berechtigt woher die Angst/Panikstörung ihre Ursache hat, aber ob man das wirklich immer alles so herausbekommen kann. Liegt es wirklich daran, weil die Eltern sich in der Kindheit trennten oder andere unschöne Situationen durchlebt werden mussten? Aber dann formuliert sich gleichzeitig die Frage: Wie viele Leute gibt es, die noch viel Schlimmeres erlebt hatten und dennoch keine Angst- und Panikstörung erleidet haben? Nur zu reden hilft also nicht bei einer Angst- und Panikstörung? Meine Meinung ist, dass wenn die Ursache zum Hauptinhalt einer Behandlung/Therapie mutiert. Denn, sind wir einmal ehrlich, wenn da nichts gefunden wird, also keine eindeutige Erklärung oder Ursache, kann es für den Behandelten zu tiefen Frust führen. Daher sollte das nicht im Blickpunkt einer Behandlung stehen, sondern der aktuelle Moment (aktuelle Verhalten) im Vordergrund einer Therapie stehen. 

 

Ein wichtiges Ziel ist es Vermeidung zu vermeiden, aber auch zu verstehen, dass sich die hypothetischen Gedanken um ein mögliches Desaster diesseits der Logik angliedern. Eine Vorstellung immer absolut angstfrei und vollkommen gesund zu sein ist kein realistisches Lebensziel denn es neigt dazu den Betroffenen zu überfordern und kann gleichzeitig als Basis für eine neue Angstattacke gewertet werden.  Sich z.B. selbst zu fragen: "Bin ich angstfrei" erzeugt nicht selten Druck um weitere Ängste zu entwickeln.  Jemand der sich ständig selbst zuflüstert: "Da muss doch etwas sein - da muss doch etwas Schlimmes sein, wird sich weiterhin mit Sorgen, Gedanken und Angst herumtreiben und sich dem Sog nicht entziehen können. 

 

 

 

 

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