Wie finde ich Hilfe?

Wenn Angst Dein Leben beeinträchtigt und sich Dein Denken fast zwanghaft nur noch um Dein körperliches Empfinden dreht, Du Situationen aus Angst vor einem möglichen Panikanfall, vermeidest, solltest Du Dir überlegen Hilfe zu suchen. Die erste Anlaufstelle ist der Hausarzt. Hausärzte werden Dir vermutlich eine Überweisung zu einem Facharzt ausstellen und dieser wird Dir helfen eine geeignete Therapie zu finden. Es bedeutet nicht, dass Du schwach bist, wenn Du Dir Hilfe brauchst. Eine Angststörung ist nicht ein Indiz dafür, dass Du ein schwacher Mensch bist. Das bist Du nicht. Eine Angststörung ist eine legitime psychiatrische Notsituation, die in fachliche Hände gehört.

 

Als ich noch unter der Angststörung litt, war das Internet noch eher eine Grauzone - erst in den letzten Jahren meiner Störung wurde es umfassender. Die ersten Angst-Foren entstanden, erste Internet-Auftritte von Homöopathen, psychologische Berater, Mentoren, Coaches, Geisterheiler, Motivator (die Liste geht endlos weiter), entstanden. Gibst Du heute die Begriffe Angst, Panik, Agoraphobie in einer Suchmaschine oder im Social Web ein, erwartet Dich ein umfassendes Angebot von Autoren, Coaches, Homöopathen, Beratern u.a., die viel versprechen. "Angstfrei in 30 Tagen" oder "Nie mehr Angst" werden versprochen. Was diese Offerten in der Regel alle gemeinsam haben: Sie kosten Geld. Natürlich arbeitet niemand umsonst und eine Dienstleistung sollte entlohnt werden. Aber...! In Deutschland wird so viel kontrolliert. Es gibt Regeln, Regulierungen, Vorschriften, Gesetze. Menschen, die durch (sogar willkürlich gesetzte) Köder andere Menschen abmahnen. In diesem Dschungel kennen sich sogar oftmals nicht einmal renommierte Juristen aus. In der virtuellen Welt tummeln sich dazu Menschen, die sich als Life-Coach, Therapeut, Berater titulieren. Fast scheint es so, als würden es täglich mehr. Ich beobachte das schon eine längere Zeit, erfasse auch die Erfahrungen von Betroffenen, die diese "Wunderheiler" ausprobiert haben - zumeist aus Verzweiflung. Weniger als eine Handvoll berichten von positiven Fortschritten. Viel springen von einem Hoffnungsträger zum nächsten. "Alles klang so überzeugend, so einfach!", las und hörte ich nicht nur einmal.

 

Ein wenig schmunzeln muss ich schon, wenn ich lese was sich manche "Berater" oder "Therapeuten" einfallen lassen, um ihre Klienten zu ködern. Sehr selten lese ich klare Ansagen. oft klingt es banal und euphorisch mitreißend und wenig logisch. 365 E-mails für 1 EUR/Tag. Jeden Tag eine E-Mail, oder ein Abo über Angstbewältigung. (Das wird im Atemzug mit einem Kaffee erwähnt, der so viel kosten würde). Versprochen wird viel, verdient offenbar auch gerne. Darf ich überhaupt als Mensch einem anderen Menschen versprechen, dass ihm garantiert seine Angst wegtherapiere? 


Angststörungen sind sehr tiefgründige psychische Störungen. Sie kam nicht einfach nur so in das Leben eines Betroffenen geflattert. Sie hat ihre Ursachen, Gründe, unverdaute Emotionen, gar Traumata, die nicht verarbeitet worden sind. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass wenn die Ursachen der Angststörung herausgefunden sind, (die Betroffene in vielen Fällen auch schon erahnen) die Angst sofort zurück ins Exil rast. Es liegt ein viel zu komplex, erlerntes fehlgeleitetes Denk-Konstrukt vor, dass immerfort Angst erzeugt. Es ist anzuraten es mit Hilfe von fachkundiger Anleitung zu erkennen und verändern (stoppen) zu können. Oftmals gibt s auch weitere psychologische Diagnosen. Eine Angststörung erfordert eine qualitative tiefer gehende Behandlung. Ich werde nicht gesund, weil ich ein Buch einer oder eines Ex-Betroffenen lese, wie sie es geschafft haben ihre Angststörung zu überwinden. Niemand wird gesund, wenn er sich selbst zum positiven Denken zwingt oder auf die Einnahme von Psychopharmaka setzt. Es ist viel schwieriger, viel komplizierter, viel tiefsitzender. Jeder menschliche Weg ist besonders und mancher Weg erfordert mehr Zeit und Behandlung als ein anderer. Symptome verschwinden auch nicht, wenn wir uns ein paar Pillen einwerfen. Eine Therapie ist maßgeblich entscheidend und wichtig.

 

Auch die Selbstdisziplin (Ich muss mich nur der Angst stellen - Es ist ja nur Angst) sind oft Mühen, mit dem der Betroffene nicht wirklich Erfolg erzielt. Es endet häufig in ein stetiges auf und ab. Ich bin zwar auch überzeugt, dass nicht jeder promovierte Homo Sapiens sich mit manifestierten Angststörungen auskennt. Es liegt mir am Herzen Euch Betroffenen zu schreiben, dass Ihr sehr genau überlegen sollt, wenn Ihr einmal über ein "internettes" Angebot schlittert Euch aus der Angststörung zu helfen. 

 

Diplom-Psychologe Wolfgang Siegel www.wolfgang-siegel.de

 

 

Nähere Informationen auch hier: www.angstselbsthilfe.de

 

Ein bunter Schluck

So Kapitel 13, Römisch III, Vers 5 wurde erstmalig vor genau 20 Jahren veröffentlicht (1978). Dörner schrieb damals in seiner Einleitung zum Kapitel »Psychiatrische Pharmakotherapie«:

" Geschichtlich hat jede therapeutische Technik eine begrenzte Lebenszeit. Auch die Neuropharmaka sind nach der Begeisterungs- jetzt in der Ernüchterungsphase. Anzeichen dafür: 1. Es gibt zunehmend Patienten, die lieber an ihren Symptomen als an ihren Pharmaka leiden. Wir können jetzt auch besser ihre Nachteile wahrnehmen. 3. Alarmierend die epidemische Verschreibungswut."
Klein sieht sie aus. Sie strahlt unaufdringlich in ihrer Hand im hellen Blau. Klare Gedanken zu erfassen fällt ihr schon eine Weile schwer. Zittrig und von Ängsten gepeinigt hatte sie sich zum Arzt geschleppt. Gefühlt hat sie irgendwann nichts mehr, geschlafen auch nicht. Da war nur diese Leere, durchzogen von zehrender Angst. Ihre Stimme hatte einen fremden Klang, als sie ihr Beschwerdebild vorgetragen hatte. Kopfnicken ihres Gegenübers, jener empathische Blick, der einem Händedruck glich. "Ich kann helfen", so die ersehnten Worte. Nicht viele Minuten hatte der Spuk gedauert. Wenig später schon lag eine Schachtel in ihrer Hand. Zahlreiche himmelblaue Wunder die ihr den Kopf streicheln werden und ihr wohl möglich wieder ein Lachen schenken werden. Himmelblaue Gefühle, die der Angst ihren Finger auf den Mund legen. In ihr ebben kurze Flammen von Freude auf. So himmelblau und wesentlich. Auf alle Fragen endlich die erlösende Antwort und mit so einer simplen Gangart.  Die Familie spendet Applaus. "Auf, auf - zu besseren Zeiten!" 
Um 1998 gegen Ende "der Dekade der Hirnforschung" war in Europa und besonders in den USA von Ernüchterung im Bezug einer wahren Verschreibungswut wenig zu hören. Antidepressiva, Neuroleptika, Lithium u.v.m. gelten unangefochten als primäre Wahl einer Therapie. Sie seien die Voraussetzung zur Durchführung einer Therapie. Es gab verzweifelte Klagen von Patient/innen über das Verständnis von Medizin und wurden lediglich als "Schwierigkeit mit den Nebenwirkungen" bagatellisiert. Noch schlimmer der negierende Patient wird als "krankheitsuneinsichtig" disqualifiziert. Sozial-psychiatrische Arbeit und Psychopharmaka gehören zumeist untrennbar zusammen. Die als Therapie deklarierte, notfalls auch unter "Zwang" durchgeführte chemische Veränderung der Persönlichkeit hat auch in den Köpfen der "Behandelnden" Veränderungen stattfinden lassen. So verabreichen ganz normale Krankenpfleger/innen, Therapeuten/-innen, usw. im Alltag in Krankenhäuser, Altenheimen usw.  Psychopharmaka. Ohne diese Helfer wäre eine flächendeckende Versorgung über Psychopharmaka nicht möglich. Diese Art der medizinischen Versorgung schleift sich ein. Sie präsentiert sich als ein Gesetz der Notwendigkeit in einem extrem von Stress überlagerten Alltag, der gerade in Zeiten von zunehmender sozialer Verarmung zahlreiche existentielle Engpässe und Ängste mit einer chemischen Hirnveränderungs-Therapie Antwort gibt.
Um die Durchsetzung von Pharmakabehandlungen auch gegen den Willen von Betroffenen durchzusetzen, werden nicht selten erpresserische Methoden oder Drohungen ausgesprochen. Mittels Sprachbild eines Kleinkindes wird dem Patienten erklärt: "Sie müssen doch ihre Pillen nehmen, vermutlich ein Leben lang. Das wissen Sie doch! Sollten Sie sich verweigern, dann werden schlimme Dinge geschehen. Sie werden nicht mehr allein in ihrer Wohnung/Haus leben können. Sie erinnern sich doch noch, wie es damals war?"  Oder es erklingen Sätze wie "Gut Frau M., wenn Sie es so wollen, dann setzen wir das Medikament natürlich sofort ab."
Die wichtige Erklärung, dass ein sofortiges Absetzen von Psychopharmaka unter Umständen zu furchtbaren Entzugs- oder Absetzung-Problemen führen kann, fehlt u.U.  Frau M. leidet so urplötzlich unter Magenkrämpfe, zittert, kann nicht schlafen oder kollabiert. "Sie sehen nun doch Frau M. Alles ist nicht so einfach. Sie benötigen die Pillen. Was meinen Sie nun? Sollen wir es nicht doch wieder weiter versuchen?" Aber auch anfängliche oder andauernde Nebenwirkungen geraten ins Hintertreffen. "Nebenwirkungen sind leider nicht zu vermeiden. Die gehören zu der medikamentösen Therapie und müssen in Kauf genommen werden. Es gibt auch leider nichts Besseres bei einem chronischen Fall wie Sie es sind." 
Es geht auch um den Auslöser, die bzw. den Ursache-(n), die nach einem Absetzen wieder zutage kämen. Schließlich hatte es für den Patienten bei seiner primären Vorstellung bei seinem Hausarzt/Facharzt schon keine andere Lösung gegeben als die Verordnung von Psychopharmaka. Was geschieht also nun mit einem Patienten, der die empfohlene Behandlung verweigert? Viele Profis reagieren mit beleidigter Ablehnung, fühlen sich gekränkt und als Arzt und Patient sitzt man sich fortan vielleicht feindlich gegenüber. "Ohne Medikamente werden Sie es garantiert nicht schaffen und das kann nicht befürwortet werden", wird oft als Erklärung geliefert. Für einen von Krisen gebeutelten Patienten oft schwierig in dieses Schlachtfeld zu ziehen. Viele geben ihre Einwilligung. 
Natürlich ist es so, dass viele Profis in ihrem Bereich wirklich helfen wollen und zwar möglichst schnell und gut. Das sollte auch alles im Rahmen ihrer Arbeitszeit geschehen. Vermutlich wird es nie wieder eine Welt ohne Psychopharmaka geben. Gegen eine Flut an Medikamente, die als erste Wahl bei einer psychischen Krise/Erkrankung gelten, werden wir nicht mehr ankommen. Mit dem Einsatz von Psychopharmaka, insbesondere auch den Einsatz (in der Geriatrie) von Neuroleptika hat ich scheinbar eine enorme Souveränität in das medizinische "Geschehen" breitgemacht. Therapien frei von Psychopharmaka scheitern nicht selten an Vorgesetze, an Ärzte, an Kollegen/-innen oder auch an den Angehörigen der Patienten/-innen, aber vor allem auch an den eng getakteten Zeitstrukturen des Berufsalltags mit seinem wirtschaftlichen Wegweisern. Sie scheitern an eigenen, inneren Grenzen gegenüber der Begleitung akuter Krisen, an existenziellen Fragen und individuellen Katastrophen. Hier dreht sich ein professionelles Hamster-Rad. Die Zunahme von psychischen Störungen/Erkrankungen wächst auf allen Seiten. Gottlob entstehen immer wieder noch andere, alternative Wege. Zugegeben, sie sind oft mit mehr Geduld und Mühe verbunden und führen dennoch langfristig zu einer manifesten Stabilität des Patienten. Viele Patienten probieren sich durch den Dschungel verschiedener Psychopharmaka - "Wir müssen nur die eine Pille finden, die Ihren Zustand stabilisiert", so die gelieferte Anweisung und vermutlich auch die allergrößte Hoffnung jedes Patienten, der nach einer möglichst unkomplizierten Lösung auf seine Probleme hofft. Gelegentlich ermöglichen Medikamente aus zeitnah aus einer psychischen Krise zu gelangen, aber in der Regel wird so keine Stabilität erreicht, die von Dauer ist. 
Generell möchte ich die Einnahme/Gabe von Psychopharmaka nicht ausnahmslos negieren. Ich möchte sie nur mit Kritik beheften und jedem mit auf den Weg geben sich immer alles sehr gut für sich alleine zu überlegen. Mein damaliger Entschluss mich gegen die Einnahme von Psychopharmaka auszusprechen, hatte schon dazu geführt, dass ich einige Wortgefechte mit "Behandelnden" aushalten musste. Dank meiner verbalen und auch mentalen Stärke (trotz der Krise) konnte ich so manchen, durchaus manipulativen Zusprüchen standhalten. Alle oben beschriebenen Punkte habe ich live erlebt. Offene Anfeindungen, Drohungen usw. sind keine Phantasie. In mir war ich überzeugt, dass es nicht mein Weg war. Vielleicht ist Deiner ein anderer? Es geht nicht darum etwas zu verteufeln, sondern vielmehr geht es darum Lebensqualität und Stabilität zu gewinnen. 
Jeder Stoß sich innen zu verändern ist nicht einfach und erfordert ein hohes Maß an Ehrlichkeit zu sich selbst. Wer sich im Spiegel betrachten kann und seine eigene Seele berührt , hat schon viel eigene Nähe gefunden.  Diese Ehrlichkeit liefert nicht eine bunte Farbenpracht - sie ist auch in manchen Bereichen unschön anzusehen.  Aber ich motiviere gerne mit einem : Trau Dich! 

 

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Great - nach Ursachenfindung?

Immer wieder ein Thema.

Irgendetwas löste die Angststörung aus.

Irgendetwas hat dafür gesorgt,

dass alles in eine Schieflage geraten ist?

Auf der Suche nach dieser einen Erklärung... 

 

 

Es gibt nicht diesen typischen Menschen, der für eine Angststörung prädestiniert zu sein scheint. Es sind doch sehr unterschiedliche Persönlichkeiten.. Es können auf der einen Seite sehr unsichere Menschen sein, aber es sind auch die, die nach außen hin besonders "stark" und "erfolgreich" erscheinen.. Diese  Menschen brechen irgendwann zusammen. Es gelingt ihnen aber oftmals auf der "Bühne des gesellschaftlichen" Lebens für eine sehr lange Zeit ihre Fassung zu bewahren.  Oft weinen sie erst im stillen Kämmerlein. Egal welcher Typ Du bist - beeinträchtigt ist jeder, der an einer Angst und Panikstörung leidet. 

 

Die allgemeine Vorstellung wie psychische Krisen/Störungen zu behandeln sind, lauten sehr häufig: Zunächst gilt es die Ursache oder den Auslöser zu finden. Genau diese Emotion gilt es einzufangen und dann zieht das übrige Verhalten garantiert nach. Forschungen ergaben aber dass es sinnvoller ist am Verhalten anzusetzen. Wesentlich hilfreicher ist es für Betroffene wieder neue Erfahrungen zu sammeln, die sich konträr gegen die Vorstellung (befürchtete Notsituation usw.) richtet.  "Wenn ich Ort A aufsuche, werde ich sterben"! Ein Satz, den viele Menschen äußern, die Angst vor der Angst haben. Sie sind fast überzeugt, dass es auch genauso eintritt, wie es das Denken vorgaukelt. Um diese Konfrontation zu umschiffen, erleben sie ein Konvolut von körperlichen, dramatischen Symptomen. Suchen sie dennoch diese Situationen auf, müssten sie direkt angewiesen werden, sobald die Panikattacke akut wird,  den befürchteten Zustand einzuleiten. 


"Hilfe ich sterbe gleich". Diesen Satz haben schon sehr viele Betroffene während eines Panikanfalls geäußert. Felsenfest davon überzeugt rennen sie auf direkten Weg zum Arzt oder zur Ambulanz. Relativ schnell steht fest, dass es es sich um einen Panikanfall gehandelt hat. Viele beruhigen sich auch wieder sehr schnell. Bis zum nächsten Mal. Genau hier entsteht der Frust. Sehr viele mühen sich ab, ersuchen die Konfrontation und stellen sich ihren angstauslösenden Situationen. Unermüdlich - immer wieder. Sie wundern sich, warum es nicht besser wird. Ja, aber warum ist das so?

 

Viele "kämpfen" sich in ihre angstauslösende Situation und erleben, wie sie nach dem Verlassen der zwar bewältigten Situation Erleichterung verspüren, dass sie es ja doch geschafft haben.  Nun muss dann ja alles besser werden. Das wird es aber  nicht automatisch.  Bei diesen Übungen trainiert der Betroffene lediglich seine Angst und exponiert sich nicht. Um es zu verdeutlichen. Diese aufgesuchten Situationen reichen nicht aus, um grundlegend neue Erfahrungen zu sammeln. Viele überstehen das, in dem sie weiterhin auf kleine Hilfsmittel setzten wie u.a. Begleitung von Partner oder Freunde, ein Handy (für den Notfall), Adressen von nahe liegenden Arztpraxen/Krankenhäuser, eine Tavor-Tablette und und und. Diese "Hilfsmittel" helfen nicht neue Erfahrungen zu sammeln. Manche messen unentwegt ihren Blutdruck. oder zählen die Km- Zahl, von der sie von zu Hause entfernt sein.  Alles das verhindert eine Veränderung, ein Loslassen des Kontrollwahns. 

 

So steht die Frage nach der Ursache auch sehr häufig im Raum, weil sie eine weitere Möglichkeit bietet weiteres Handeln zu vermeiden. Natürlich ist die Frage berechtigt woher die Angst/Panikstörung ihre Ursache hat, aber ob man das wirklich immer alles so herausbekommen kann. Liegt es wirklich daran, weil die Eltern sich in der Kindheit trennten oder andere unschöne Situationen durchlebt werden mussten? Aber dann formuliert sich gleichzeitig die Frage: Wie viele Leute gibt es, die noch viel Schlimmeres erlebt hatten und dennoch keine Angst- und Panikstörung erleidet haben? Nur zu reden hilft also nicht bei einer Angst- und Panikstörung? Meine Meinung ist, dass wenn die Ursache zum Hauptinhalt einer Behandlung/Therapie mutiert. Denn, sind wir einmal ehrlich, wenn da nichts gefunden wird, also keine eindeutige Erklärung oder Ursache, kann es für den Behandelten zu tiefen Frust führen. Daher sollte das nicht im Blickpunkt einer Behandlung stehen, sondern der aktuelle Moment (aktuelle Verhalten) im Vordergrund einer Therapie stehen. 

 

Ein wichtiges Ziel ist es Vermeidung zu vermeiden, aber auch zu verstehen, dass sich die hypothetischen Gedanken um ein mögliches Desaster diesseits der Logik angliedern. Eine Vorstellung immer absolut angstfrei und vollkommen gesund zu sein ist kein realistisches Lebensziel denn es neigt dazu den Betroffenen zu überfordern und kann gleichzeitig als Basis für eine neue Angstattacke gewertet werden.  Sich z.B. selbst zu fragen: "Bin ich angstfrei" erzeugt nicht selten Druck um weitere Ängste zu entwickeln.  Jemand der sich ständig selbst zuflüstert: "Da muss doch etwas sein - da muss doch etwas Schlimmes sein, wird sich weiterhin mit Sorgen, Gedanken und Angst herumtreiben und sich dem Sog nicht entziehen können. 

 

 

 

 

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Mischmasch im Kopf - Therapie Teil 2

Wer Hilfe sucht - wird sie finden! Aber was bedeute es, die richtige Hilfe zu finden. Wie schaffe ich es aus dem immensen Therapie-Angebot das für mich passende Angebot zu wählen? Gibt es eine Garantie dafür, dass ich das überhaupt finde? Soll ich das nicht dann gleich lieber lassen? 

 

Experten-Suche, Anleitungen, Fachbücher, Social-Media? Schlaue Köpfe, ehemalige Betroffene, Coaches, Psychologen, Fachärzte, - Kapazitäten. Was tun?

 

Zunächst gestehe ich, dass auch ich auf dieses Konvolut an Fragen keine schlaue Antwort geben kann. Dafür sind wir alle viel zu unterschiedlich. Ich vermute auch, dass es nicht nur diesen einen Weg gibt. PENG! - die Angststörung ist verschwunden. Das ist sicherlich eine Wunschvorstellung. Aber da könnte ein  Lottogewinn wahrscheinlicher sein. 

 

Als ich noch an dieser gelitten hatte, gab noch kein Internet, kein Social-Media Angebot, allerdings eine Zeitschrift, (DASH aus München, Herausgeber der DAZ (Deutsche Angst-Zeitschrift), die sich intensiv bemühte Betroffenen eine Hand zu reichen und Hilfestellungen zu offerieren. Über diese DASH in  ihrer Zeitschrift DAZ  gab es die Möglichkeit Brieffreundschaften zu anderen Betroffenen aufzubauen. Von damals stammt tatsächlich auch noch ein Kontakt, der bis heute noch vorhanden ist. Aber "virtuelle-Selbsthilfe-Gruppen", der direkte Dialog mit anderen - das alles hatte es nicht gegeben. Auch keine You-Tube Videos, in denen Betroffene (Was müssen die für Mut haben?) in bewundernswerter Offenheit einen schonungslosen Einblick in ihr Privatleben geben. Vermutlich tut es vielen gut.. Erfahren, da ist noch jemand, dem es genauso dreckig geht wie mir. Persönlich sehe ich es aber nicht als bedingungslos hilfreich an. In vielen "Selbsthilfe-Gruppen" entsteht nicht selten eine Eigendynamik, in der sich Betroffene mit ihrem Wissen, Ratschlägen, eigenem Symptombeklagen gegenseitig wie in einer Art Wettkampf übertrumpfen. Sind wir doch alle einmal ehrlich! Hinter dem Monitor tippt es sich oftmals so herrlich einfach! Da sitzt keine kritischer Gegenüber! So ist es auffällig, dass manche Leidgeplagte von einer Gruppe zur nächsten hüpfen und oftmals auch immer ganz schnell anecken und weiter wie ein Nomade ziehen. Das ist ein ganz "heißes Eisen", dass sich jeder gut überlegen sollte, ob es für ihn hilfreich ist oder nicht. Gerade der "Symptomvergleich" (Hast Du das auch?) oder eben das Anraten zu jener Pille mit dem und dem Namen zu greifen kann auch nicht ungefährlich sein.. Plötzlich mutiert jeder zum Experten. Manche sehen das Thema "Angststörung" sehr technisch, andere tief-emotional oder auch als "Begleiter für die Ewigkeit". Alles ist dabei. Ob Dir das schadet oder nützt`? Das musst du für Dich selbst herausfinden. Eins vorweg - Du benötigst jedenfalls ein starkes Nervenkostüm. 

 

Ich möchte auch nicht jedes Hilfsangebot denunzieren und als unsinnig beschreiben. Es gibt einige sehr kluge Köpfe, die die Entstehung und den Umgang (geeignetes Therapieangebot) sehr gut erklären. Hier erwähne ich gerne Waltraud Gauglitz http://ohne-angst.com/ . Sie steht nur als Beispiel für einige andere auch. Auch die https://www.angstselbsthilfe.de/ bietet viele Informationen für Betroffene. Meine persönlichen Erkenntnisse entnehme ich aus meinem Therapie-Erleben mit Herrn Wolfgang Siegel - https://wolfgang-siegel.de/ .

 

Zuvor habe ich einige andere Anlaufstellen vergeblich durchlaufen - Professoren wie u.a. Univ.-Prof. Dr. Jürgen Margraf, Ruhr-Universität Bochum. Ich habe sehr viele Impressionen über ein ganz unterschiedliches Therapieangebot sammeln können . Es war auch damals schon ein Therapie- Dschungel. Wer auf eine medikamentöse Behandlung setzt - dem würde ich das auch nicht absprechen wollen. (Persönlich sehe ich das aber nicht als kluge Wahl) Ich würde auch nicht sagen mit diesem und jenem Weg wirst Du gesund. Wichtig sind mir nur  eigene Erfahrungen vorzustellen.

 

  • Gegensätzliches Denken - Die meisten Betroffenen scheuen das Erleben einer Panikattacke und wollen ihr am liebsten nur ausweichen. Das ist verständlich. Das Erlebnis ist nicht schön. Aber wer es wagt, könnte versuchen sein Denken zu verändern. Anstatt zu denken: "Hoffentlich bekomme ich KEINE Panikattacke,"  versucht es einmal so: "Ich weiß nicht, ob ich eine Panikattacke bekomme. Ich schaue einfach ´mal und warte ab". Wer ganz mutig ist, stellt sich vor dem Spiegel und sagt sich laut und mit Energie: "Ich bekomme jetzt hier und auf der Stelle eine Panikattacke". In der Regel wird nichts passieren. Ich hatte z.B. eine große Angst davor ohmmächtig zu werden. Viele Jahre hatte ich geglaubt durch eine sensible, innere Überwachung jederzeit in mich hineinzuhorchen zu müssen, um ja keine Ohnmacht zu verpassen Was das für ein Stress war! - Kein Wunder, dass mir jeden Tag schaurig, schwindelig gewesen war und ich oftmals mit butterweichen Knien durch die Wohnung geschlichen war. Megaanstrengend war es dazu gewesen.  Irgendwann - auch mit der Hilfe der Therapie - hatte ich vor dem Spiegel gestanden, die Fäuste geballt und mir gesagt:: "Los, Du wirst nun auf der Stelle jetzt ohnmächtig!". Ich habe mit den Füßen gestapft, die Augen zugekniffen und …. `? Ihr könnt Euch denken, was geschah. Nämlich nichts! Das habe ich  noch einige Male gemacht. Irgendwann gelangte ich an diesen Punkt und begriff, dass mein Warten und "Horchen" nichts mit einer Ohnmacht zu tun hat. Ohnmächtig kann jeder von uns werden - jederzeit - theoretisch . Glaubt der Betroffene also wirklich, dass sein "Aufpassen" etwas beeinflussen könnte, wenn er bei jedem Symptom-Piep Groß-Alarm auslöst? Auf einer Ohnmacht kann sich niemand vorbereiten. 
  • Die Zukunft  - Angst vor der Angst. Was ist das genau? Eine Erwartung, wie etwas werden könnte? Du hockst also vor einer Glaskugel und schaust in die Zukunft. Dabei schießen verschiedene, mögliche Horror-Szenarien durch den Kopf. Du wirst zum phantasievollsten Drehbuchautor eines Katastrophenfilms.  Ein Katastrophenfilm? Ja, denn mehr ist es nicht. Denn auch Du weißt nicht, was in den nächsten 5 Minuten passieren wird, oder in der nächsten Minute, Sekunde! Du bist bestimmt schon aus Situationen geflüchtet, weil die Angst übermächtig geworden war. Du hattest Dir nicht mehr vorstellen können das ALLES noch länger ertragen zu können. Genau da liegt das Problem. Du hättest es ertragen.  Du kannst/konntest es nur nicht glauben. Das konträre Denken (die schlechte Zukunft-Prognose) hatte Dir einen Strich durch das tatsächliche Erfahren gemacht. Du hast schon vorher das Weite gesucht, ohne zu es erleben, was wirklich passieren würde. Zugegeben, dass ist in einer absoluten "Panik-Situation" alles andere als einfach. Aber wer behauptet schon, dass es einfach ist. Die meisten fahren ihre eigens entwickelten "Abwehr-Mechanismen" hoch. Sie wollen der Situation möglichst schnell entfliehen. Es gibt unendlich viele Anleitungen "gegen die aufkommende" Panik anzugehen. Aber funktioniert das? Gekämpft habe ich persönlich immer. Wie ein Raubtier, aber geholfen hatte es nicht.. Erst als ich das Kämpfen aufgab, war das erlösend. Da gibt es ein eindrucksvolles YouTube Video. Stelle Dir dabei vor die Fliegen sind Deine Ängste. 
  • Denkkreisel - Schon morgens ist der erste Gedanke "Angst, Panik" und abends ist es Dein letzter. Dein Tag zentriert sich auf das Befinden, die Angst. Du passt Dein Leben auf alles an. Wird es ein guter Tag - wird es ein schlechter Tag? - Mit diesem Hin und Her und eintönigen Klagen wird es auch für das Umfeld schwierig. Gestehe Dir ein, dass Du an diesem Thema festhängst,  es Dich unentwegt beschäftigt und Du ständig in Dir horchst. Dabei gehen Dir viele Momente verloren, die neben Dir stattfinden. Du erlebst sie nur am "Rande". Du hockst in Deiner Welt, der Angst. Das ist schade. Anstatt bibbernd an der Kasse im Supermarkt zu stehen (Wie lange dauert das noch? Mir wird schon wieder komisch! Was sollen die Leute denken, wenn ich jetzt hier durchdrehe, umkippe?) könntest Du auch einfach einmal die Situation erfassen. Was siehst Du? Was hörst Du? Schau Dir alles genau an. Verlasse mit Deinen Gedanken Deine Innenwelt und erfahre die Außenwelt. Das läuft nämlich bei einer Angststörung gewaltig schief. Stelle Dir das so vor: Eine alte Vinyl-Schalplatte die an einer Stelle festhängt und immer wieder das gleiche Stück eines Songs abspielt. So in etwa ist es bei dir im Kopf, wenn sich alles um die Angst dreht. 

TEIL3  folgt 

 

 

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Ein schwieriger Fall - Keiner versteht mich

Mit einer Panikattacke begann es. Scheinbar aus dem Nichts krallten sich schmerzhaft Fingernägel in ihren Nacken. Der Tag X änderte alles in ihrem Leben. Von jetzt auf gleich. 

 

So beschreiben es viele Betroffene. Die erste Panikattacke, die auch als Todesangst beschrieben wird, hinterlässt Spuren und ist oftmals der Startschuss in ein "anderes" Leben. Wenn sie nicht frühzeitig diagnostiziert wird, manifestiert sie sich. Eine Angststörung kann zum kompletten Rückzug aus dem sozialen Leben führen. 

 

Für Angststörungen gibt es ein vielfältiges Therapieangebot. Viele Patienten landen nach einer Diagnostik durch Hausarzt/Facharzt bei einem Therapeuten. Angststörungen werden immer noch nicht gleich erkannt, wobei eine wichtige Rolle dabei spielt, dass die Patienten oft Schmerzen, Schlafstörungen oder andere somatische Störungen beschreiben. Das die Angst das Leitsymptom ist, wird oftmals nicht vom Patienten beschrieben oder gar erfasst. Daher ist eine genaue Diagnostik wichtig. Sehr häufig wird eine kombinierte Therapie angeboten. (Psychotherapie und Pharmakotherapie). Erfahrungsgemäß hat die kognitive Verhaltenstherapie (Expositionstraining/Konfrontationstherapie) Effizienz.  Die Therapieplätze sind allerdings rar - viele Betroffene erleben lange Wartezeiten und nicht in jedem Fall verläuft sie positiv. 

 

Warum gilt die kognitive Verhaltenstherapie (Expositionstraining/Konfrontationstherapie) als Therapie der 1. Wahl bei Angststörungen? Bei dieser Form einer Angsttherapie begibt sich der Betroffene bewusst in die Situation, die er aus Angst vermieden hat.  Er wird angeleitet sich der Angst zu stellen und er erlebt, dass er damit "umgehen" kann und keine reale Gefahr besteht. Es wird gewünscht, dass der Betroffene seine körperlichen Symptome, die er als gefährlich und unüberwindbar beschreibt, doch aushalten kann und sogar erleben wird, wie sie von ganz alleine wieder abebben werden. Offenbar verzeichnet diese Therapieform eine hohe Erfolgsquote, wird aber auch als extrem anstrengend beschrieben. Sich seiner Angst zu stellen und nicht zu flüchten kostet Überwindung. Es mag durchaus sein, dass bei einigen Patienten diese Therapie zu einer deutlichen Verbesserung oder einer besseren Stabilität führt. Ich lese aber auch immer wieder von Rückfällen oder gescheiterten Therapien und Misserfolgen. 

 

Gerade Betroffene, die schon viele Jahre unter einer Angststörung leiden, sind offenbar sehr schwer zu therapieren und werden oft zum "hoffnungslosen" Fall degradiert. Für einige dieser Fälle fehlt ein passendes Therapieangebot, denn für manche Patienten ist es unvorstellbar überhaupt das Haus zu verlassen. Es ist unglaublich schwierig für diese Menschen Hilfe zu finden. Für schwere Fälle gibt es die Möglichkeit einer "aufsuchenden Therapie". Das kann ein Anfang sein, denn so kann die Therapie von zu Hause aus erfolgen. 

 

Persönlich sehe ich die kognitive Verhaltenstherapie auch durchaus kritisch. Früher warf man dieser Therapieform oft vor, dass sie lediglich die "Symptome" bekämpfen würde und nicht ihre Ursache(n). Hier wurde die Strategie bereits verändert.  Eine wichtige Erkenntnis war, dass die kognitive Verhaltenstherapie durchaus den Betroffenen durch "ausgestandene"  Expositionen wieder "Mut" vermittelt sich wieder aktiver Situationen auszusetzen, die er zuvor vermieden hat. Allerdings verbleibt auch bei einer kognitiven Verhaltenstherapie weiterhin "Ehrfurcht" vor einer Panikattacke. 

 

Der gesamte Entstehungsprozess einer Angststörung fällt oftmals aus dem Raster und wird den Betroffenen viel zu wenig in seiner Therapie erläutert. . Dabei ist das sehr wesentlich für den Betroffenen. Viele glauben felsenfest, dass die Angst "sie knallhart überkommt". Sie würden schwören, dass es so sei. Ein ständiger Ringtanz zwischen Denken und Fühlen entsteht so. Es wird auch ständig angenommen, dass nur "gekämpft" werden müsse. Es werden "Entspannungstechniken" oder "Ablenkungsmanöver" eingetrichtert und die "empfunden Angst" einer Zahlenskala zugeordnet.  Das kann alles ein wenig lindern, aber dennoch bleibt die Angst so weiterhin mit im Alltagsboot sitzen. Einige schaffen es ihr Berufs- Alltags und Familienleben irgendwie zu arrangieren. Manchmal geht es über eine längere Zeit gut - manchmal auch nicht. Zu häufig führt auch diese Therapieform nicht zum angestrebten Erfolg.

 

- Teil 2 folgt - 

 

 

 

 

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Kein Therapieerfolg? Was nun.. ?

Betroffene berichten sehr häufig davon. "Ich habe eine Therapie gemacht und dennoch stehe ich wieder am Anfang". Verbunden ist diese Erkenntnis oft mit dem Gefühl ein Versager zu sein.. Mit großer Hoffnung, Elan und dem festen Willen sei man in die rettende Therapie gestartet. Anfangs hatten sich zwar kleinere und auch größere Fortschritte gezeigt, aber "aktuell sei die Angst schlimmer als je zuvor". Schnell wird die Frage nach dem Warum formuliert, verzweifelt überlegt welche Ursachen hier der Dompteur seien. 

 

Fast alle Betroffenen einer Angststörung/Panikstörung erleben genau dieses. Durch eine Therapie geht es ihnen eine Zeitlang wieder etwas besser oder auch richtig gut - bei einigen scheitert von Anfang an die Therapie und sie kommen keinen Schritt weiter. Viele verweigern irgendwann weitere Versuche einer Therapie und halten sich im Internet auf, immer wie Sherlock Holmes auf der Suche nach der alternativen "Lösung".

 

Im Internet wird viel versprochen und vermutlich auch auf die Verzweiflung "gesetzt". Schließlich lässt sich damit gut verdienen. Es gibt eine Litanei von Büchern, die versprechen: "In X-Tagen ohne Angst". Die Betroffenen werden niemals müde und finden garantiert jedes YouTube Video, was sich mit "ihrer Problematik" auseinandersetzt. In den letzten nahezu neun Jahren - seit Beginn meiner Facebook-Seite, die sich an Betroffene richtet, kann ich beobachten wie viele "Betroffene" sich von einem Angebot zum nächsten hangeln oder wie sie von einer "Gruppe" in die nächste wandern.  Stets auf der Suche nach "Austausch", Hilfe und der Rettung. Manchmal ist ihr Ehrgeiz und ihre Motivation einzigartig, bewundernswert. Diese verzweifelte Suche zeigt jedoch auch wie groß ihr Leidensdruck ist. Bei vielen Betroffenen, die über viele Jahre an Angst und Panikattacken/generalisierter Angststörung leiden führt diese Störung zusätzlich zu einer Abgrenzung aus dem gesellschaftlichen, sozialen Leben sowie zu finanziellen Schwierigkeiten. Viele landen beim "Jobcenter". Dort beginnt ein weiteres Spießrutenlaufen. Mir sind einige Fälle bekannt, die seit Jahren von Gutachter zu Gutachter geschickt werden. Nennen wir sie "Janine" aus einer großen Stadt in Deutschland. In den letzten 3 Jahren wurde "Janine"  bereits zweimal zum Gutachter (EU-Rente) und dreimal zu einem Gutachter vom Jobcenter geschickt. Für die Betroffene jedes Mal eine große Belastung, denn auch so verbleibt ihre Zukunft unklar. Das zeigt deutlich auf, dass "psychische Erkrankungen" ein wichtiges und sehr ernstes Thema ist, dass nicht in Vergessenheit geraten sollte. 

 

Dennoch ist es nie zu spät. "Time for Change". Nicht jede Therapie führt gleich zum Erfolg. Häufig sind mehrere Anläufe von Nöten. Auch wenn es nicht so aussieht, ist es gelegentlich ein längerer Weg, um ans Ziel zu kommen. Jede Motivation etwas gegen die Störung zu unternehmen ist garantiert nicht falsch. Es gibt auch leider kein "Rezept" wie der Weg zu gehen sein muss. Es gibt vermutlich ganz viele, sehr unterschiedliche Wege, die zum Ziel der Besserung oder Auflösung der Störung führen werden. Aufgeben sollte nie die Lösung sein oder die Idee sich mit seinen Ängsten abzufinden. Viele "nehmen" die Angst auch einfach mit durch ihren Alltag und tragen sie immer auf den Schultern. Vielleicht leben einige Menschen sogar einigermaßen zufrieden damit. Das entscheidet ja jeder Betroffene selbst. Die allermeisten werden tätig, wenn es ihnen wirklich sehr schlecht geht.  Häufig übernehmen Partner die Rolle das Alltagsleben zu bewältigen. Sie werden zum Ernährer der Familie, zum Chauffeur, zum Einkäufer,... und stärken aus Liebe zum Partner unbewusst das Gewicht der Angststörung. und schmälern die Motivation einen weiteren Therapieversuch anzustreben. Sehr viele Therapien beinhalten die Suche nach den Ursachen der Angst. Es kann angesprochen werden, aber es sollte nicht zentral therapiebestimmend sein. 

 

Es ist verständlich, dass "Rückfälle" situationsverschlimmernd wirken und das die Motivation weniger wird,. Aber ist ein Leben mit täglicher Angst und der "inneren, kontrollierenden" Bewachung einfacher oder besser`? 

 

 

„Ein Leben mit absoluter Sicherheit – ohne jedes Risiko – ist eine Fantasie  - lebendig zu sein bedeutet Risiko.“ So die französische Risikoforscherin und Philosophin Anne Dufourmantelle

 

https://ze.tt/zwei-junge-frauen-erzaehlen-von-ihrem-weg-aus-der-angst/

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